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Dreck auf der Seele

Krimifestival: Zoran Drvenkar Dreck auf der Seele

Wenn es gut läuft bei einer Krimilesung, dann ist der Krimi spannend. Wenn es richtig gut läuft, dann ist der Autor das ebenfalls. Und es lief richtig gut am Samstagabend mit Zoran Drvenkar.

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Zoran Drvenkar bekam selbst Angst vor seinem Thriller „Still“, sagte er im Szenario.Foto: Schwarzwäller

Marburg. Sein Nachname bedeutet „Zar der Hölzer“, ist auf seiner Homepage nachzulesen. Er ist in Kroatien geboren, als Sohn eines kroatischen Vaters und einer serbischen Mutter, aber in Berlin aufgewachsen. Die Geschichte, dass es bei seiner Geburt im Juli geschneit haben soll, darf man ins Reich der Fabeln verweisen. In seinen Büchern hingegen entwirft Zoran Drvenkar hin und wieder eine Welt, die so real und plausibel scheint, dass es oft kaum zu ertragen ist. „Brutal“ und „grausam“ sind Adjektive, die einem in Rezensionen seiner Thriller immer wieder begegnen.

Zoran Drvenkar schreibt aber nicht nur Thriller, sondern auch Kinder- und Jugendbücher. Auch wenn er die Unterteilung in Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur nach eigenem Bekunden dumm findet. Er schreibe nicht für Kinder oder Erwachsene, sondern über sie. Und wenn er schreibt, dann tut er das ein bisschen wie im Rausch. Zumindest ist das das Bild, das sich einem vermittelt, wenn man ihm zuhört.

Seinen neuen Thriller „Still“, den er am Samstag im „Szenario“ präsentierte, hat er in gerade einmal drei Monaten fertiggestellt. Er musste schnell schreiben, damit kein „Dreck auf der Seele“ bei ihm bleibe, erzählt er. Wenn eine Geschichte aber erst einmal fertig geschrieben ist, dann ist er das auch mit seinen Protagonisten. Die Arbeit am Buch, das Feilen und Kürzen - das würde er gern mal zwei Jahre lang machen, nur um es genießen zu können, sagt Drvenkar.

Über 40 Bücher hat er bislang geschrieben und ein gutes Dutzend Preise sowie mehrere Stipendien erhalten. 2005 bekam er zum Beispiel den Jugendliteraturpreis für „Die Kurzhosengang“ und der Thriller „Sorry“ wurde 2010 mit dem Friedrich-Glauser-Krimipreis ausgezeichnet. „Ich bin kein großer Planer“, erläutert er seine Arbeitsweise, „ich weiß nicht, wo ich hin will.“ Das geben ihm dann seine Charaktere vor.

In „Still“ (den Thriller stellte die OP in der Ausgabe vom 12. September vor) erzählt er in drei Hauptsträngen und aus drei Perspektiven („ich“, „du“ und „sie“) die Geschichte eines Mannes, dessen Tochter verschwunden ist und der Rache nehmen will. Und die Geschichte von Lucia, die zusammen mit ihrem Bruder entführt wurde. Und die Geschichte der Männer, die hinter all dem stecken. Mit dem „Du“ werde der Leser zum Charakter - „das kann sehr unangenehm werden“, so Drvenkar. „So atme ich euch in den Nacken, das ist ein Riesenspaß für mich.“

Zoran Drvenkar liest im Stehen, und bevor er loslegt mit seiner fiktiven Geschichte, bekommt das Publikum kurz noch eine geballte Ladung seiner Lebensgeschichte vorneweg. Er konzentrierte sich bei seiner Lesung auf eine der „Nebengeschichten“, auf Lucia, das Mädchen, das gemeinsam mit dem kleinen Bruder entführt wird.

Im Anschluss beantwortete Drvenkar dann im Gespräch mit der Kölner Autorin und Journalistin Christina Bacher noch Fragen. Und verriet, dass er beim Schreiben von „Still“ eine solche Angst vor der Geschichte bekam, dass er sie anderthalb Jahre liegenließ und in dieser Zeit drei Kinderbücher schrieb, bevor er weitermachen konnte. Und dass er keinerlei Widerspruch in den verschiedenen Genres sieht. „Ein Schriftsteller, der nicht alles macht, verschenkt etwas“, sagt er.

von Nadja Schwarzwäller

Kommende Veranstaltungen des Krimifestivals
  • Am Mittwoch, 17. September, um 16 Uhr sind „Die drei ???“ für Kids zu Gast in der Stadtbücherei. Christoph Tiemann liest mit Kollegen klassische Fälle der berühmten Kinderermittler (ab 6).
  • Am Mittwoch, 17. September, um 20 Uhr stellt Kathrin Lange in der Stadtbücherei ihren Krimi „40 Stunden“ vor. Faris Isker bleiben 40 Stunden, um einen Mann zu finden, der gekreuzigt wird. Gelingt ihm dies nicht, dann explodieren überall in Berlin Bomben. Zu allem Überfluss ist auch noch der Papst in der Stadt.
  • Das Fast Forward Theatre präsentiert am Freitag, 19. September, ab 20 Uhr im Vino Nobile, Brunnenstraße, „MordLust – das feine Krimi-Spiel“.
  • Der Norweger Torkil Damhaug liest am Freitag, 19. September, ab 20 Uhr im Marburger Rathaus.
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