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Donnernder Beifall für einen Lehrer

Schulkonzert Donnernder Beifall für einen Lehrer

Davon, dass er ihm ein Schüler für den Unterricht dankt und ihm etwa 400 Menschen mit einem tosenden Applaus beipflichten, können die meisten Lehrer wohl nur träumen. Karl Reissig wurde diese Ehre zu teil.

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Etwa 60 junge Musiker gehören zu „Savignystr. 3“, der Konzertband der Martin-Luther-Schule.

Quelle: Christine Krauskopf

Marburg. Was dieser Lehrer – und natürlich auch seine Schüler und Musikerfreunde – leisten, ließ sich am Dienstag in der fast voll besetzten Evangeliumshalle in Wehrda hören. Ein satter Bläserklang erfüllte den Saal und erstaunte das Publikum.
Denn es gehört schon Talent und Mut dazu, den Rockklassiker „Smoke on the water“ von Deep Purple und auch die Disco-Musik der Beach-Boys so zu arrangieren und zu spielen, dass sie schwungvoll und dynamisch klingen. Dass die etwa 60 jungen Musiker der Konzertband „Savignystr. 2“ allesamt Schüler der Klassen 5 bis 10 sind, lässt doppelt staunen und ein überzeugendes Übungskonzept schließen.
Die Martin-Luther-Schule hat einen klaren Schwerpunkt auf die Musik gelegt. Ausnahmslos alle Schüler erlernen innerhalb des Klassenverbandes und des Musikunterrichts ein Instrument. Die Schule verleiht aus ihrem Fundus unter anderem Trompeten und Posaunen, Tenorhörner und Klarinetten, Querflöten und Saxofone sowie diversen Schlaginstrumente an die Schüler. Die werden darüber hinaus außerhalb der Schulzeit mit Gruppenunterricht in der Marburger Musikschule gefördert, den die Eltern unterstützen.
Das Musizieren in der Gruppe fördert die akustischen auch die soziale Harmonie. Das bewiesen die Schüler mit ihrem Konzert. Denn man muss schon aufeinander hören, seinen Einsatz abwarten und sich konzentrieren können. Falls es Patzer gab, nahmen das Laien nicht wahr.
Die Konzertband „Savingystr. 2“ ist eine freiwillige Arbeitsgruppe der Martin-Luther-Schule, die vor drei Jahren mit zehn Kindern gegründet wurde. Die Nachwuchsmusiker üben nach dem Unterricht und am Wochenende – und nahmen während der Herbstferien ihre erste CD auf. Die fand am Dienstag guten Absatz, die Werbung mit dem Konzert hat also funktioniert.
20 Titel hat die Band „Savingystr. 2“ mittlerweile in ihrem Repertoire. Besondere Freude scheint sie an Filmmusiken zu haben, denn in der Evangeliumshalle gab-s dramatische und actionreiches Ohrenkino. Die Band spielte unter anderem „Pirates of the Caribbean“, „Spider-Man“, „Men in Black“ und die poppige „Music from Cars“.
Einen Teil des Programms gestaltete die Band „LIFE“, die sich aus derzeitigen und ehemaligen Schülern rekrutiert, die gerne auch konzertante Literatur spielen. Am Dienstag bekamen sie Verstärkung von Mitgliedern der „Marburg Brass“-Band.
Die Schrecken des Kriegs hat der Engländer Gustav Holst (1874 – 1934) in „Mars“, einem Teil der Orchestersuite „The planets“, in die Sprache der Musik übersetzt.
Den Zuhörern konnte bei den bedrohlichen Klängen angst und bange werden, und manch einer mag sich die Gänsehaut auf den Armen weggerubbelt haben. Themen dieser Komposition nahmen übrigens unter anderem Hans Zimmer für den Kinofilm „Gladiator“ und die Rock-Band „Iron Maiden“ auf.
Ganz anders „Camille“, ein warmes, weiches, fröhliches Stück, das André Waignein zur Geburt seiner Enkeltochter schrieb. Die Band spielte gefühlvoll und differenziert, ließ die Melodien auf einem satten Hintergrund leicht tanzen, setzte immer wieder kraftvoll auf den Punkt ein.
Bei „Celtic Dance“ wurde es dann wirklich eng auf der Bühne, denn alles, was ein Instrument zur Hand hatte, drängte sich vor Leiter Karl Reissig zusammen, um die schottischen Weisen überraschend und bläserlastig zu interpretieren. Wundervoll klangen die Querflöten und Trommelwirbel und die musikalischen Dialoge der Band mit den Trompeten.
Bei dem Stück „Heavy Metal“ nahmen sich die Bläser folgsam zurück und überließen den Schlagzeugern die Führung. Und spätestens bei Neill Diamands „I-am a believer“ wippten die Füße der Zuhörer im Takt der schwungvollen Musik.
„Ich hatte eine Vision, und ich wusste, ihr könnt was. Ich freue mich, dass ihr dabei seid“, sagte Reissig zum Ende hin bescheiden. Doch dass es ohne ihn diese Band nicht geben würde, war wohl allen klar, die den charismatischen und engagierten Lehrer kennen. Der Applaus am Ende galt vor allem ihm.

von Christine Krauskopf

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