Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Dirigent wirkt als Solist mit

Marburger Seniorenkantorei Dirigent wirkt als Solist mit

Starke Solisten machten die Geschichte der Matthäuspassion in der ­Vertonung von Johann Georg Kühnhausen ­lebendig. Mit dabei: ­Dirigent Helmut Hering.

Voriger Artikel
Fortsetzung der kultigen Bleifußreihe
Nächster Artikel
Ein Plädoyer für das Leben

Die Marburger Seniorenkantorei präsentierte die Matthäuspassion des nahezu unbekannten Komponisten Johann Georg Kühnhausen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. In einem Moment noch Solist als Petrus, im nächsten wieder Chorleiter. Dirigent Helmut Hering meisterte beim Konzert der Marburger Seniorenkantorei gleich mehrere Aufgaben. Zusammen mit Peter Groß als Evangelist und Bassist Andreas Gensch interpretierten sie den Bibeltext der schlichten Matthäuspassion des nahezu unbekannten barocken Komponisten Johann Georg Kühnhausen (1640-1714).

Der engagierte, eindringliche Gesang der Solisten ließ den Text mitfühlen. Eine gedruckte Fassung des Textes in Form eines Programmheftes wurde nicht ausgeteilt. Das war aber auch nicht nötig, denn der Text war jederzeit deutlich genug zu verstehen.

Während Anfang des 18. Jahrhunderts die Mode der oratorischen Passionen aufkam, mit opulenten Volkschören, ausgeschmückten Arien und orchestraler Begleitung, besann sich Johann Georg Kühnhausen auf den Bibeltext. Diesen erweiterte Kühnhausen, der in Celle als Hofmusiker und Sänger der Hofkapelle des Fürstentums Lüneburg tätig war, lediglich um einige kommentierende Choräle.

Statt die aufgeheizte Stimmung während der Verurteilung Jesu zum Tode aufzugreifen, stellte Kühnhausen vielmehr die Dankbarkeit als Christ für das Opfer Jesu in 
den Mittelpunkt der Choräle. „Liebster Jesu, Dank dafür“ erklang immer wieder als Schlusszeile.

Dramatische Pause unterstreicht das Geschehen

Helmut Hering führte präzise als Dirigent die etwa 60 Sängerinnen und Sänger der Marburger Seniorenkantorei, die mit einem harmonischen Klangbild überzeugten.

Begleitet wurden die Laiensänger lediglich von Ina Himmelmann am Cello sowie Reidar Seeling am Continuo – eine weitere Reduzierung Kühnemanns, der auch auf hübsche Arien verzichtete und den Bibeltext des Matthäusevangeliums weitgehend syllabisch vertonte. Da fiel der Jesus‘ Ruf nach Gott kurz vor seinem Tod, den Kühnhausen mit reichen Verzierungen versehen hatte, umso mehr auf.

Überhaupt betonte Kühnhausen den Tod Jesu musikalisch, in dem er während der Sterbeszene auf die instrumentale Begleitung verzichtete. Nach der Schmähung durch das Volk setzte der Choral a cappella ein. Der Tod Jesu, von Peter Groß als Evangelist verkündet, wurde durch eine dramatische Pause wirkungsvoll unterstrichen.

Nach der Verzögerung setzten die Frauenstimmen der Marburger Seniorenkantorei behutsam ein, um in einen vollen Choral zu münden. Mit einer Art Endgebet beendete Dirigent Helmut Hering das Konzert. Doch der Verzicht auf die Beisetzung in der Komposition von Johann Georg Kühnhausen verdutzte die etwa 180 Zuhörer, sodass erst zögerlich der Applaus einsetzte, der dann langsam stärker wurde.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr