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Dienstags ist immer Blutwursttag

Theater Dienstags ist immer Blutwursttag

Er ist ein Ekel und ein Familientyrann: Schauspieler Willi Manske brachte Thomas Bernhards „Theatermacher“ als grantelnden Parforceritt durch die Abgründe eines Menschenfeinds auf die Bühne.

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Schauspieler Bruscon (Willi Manske, links) hat am Wirt (Karl-Heinz Frömke) allerhand auszusetzen. Foto: Heike Döhn

Marburg. Manske ist vielen Marburgern noch ein Begriff - lange Zeit hat er in der Universitätsstadt gelebt und Theater gespielt. Gelegentlich führt es ihn zurück an die Lahn, so auch diesmal mit dem Alminassa Kulturverein, mit dem er das Stück des österreichischen Autoren aufführte.

Dass er dabei die ganze Zeit im Fokus stand, liegt im Stück begründet, das im Grunde nichts als ein langer Sermon der Schauspielers Bruscon ist, der mit seiner Familie in der Gaststätte „Schwarzer Hirsch“ mit seinem Stück „Das Rad der Geschichte“ gastiert und an nichts und niemandem ein gutes Haar lässt - geschweige denn, dass jemand anderes zu Wort kommt.

Der Unsympath ist Manske wie auf den Leib geschrieben. Bruscon tingelt mit seiner Familie durch die Gasthöfe und hat seine guten Zeiten - wenn es sie denn je gab - lange hinter sich gelassen. Er wettert gegen das Dorf Utzbach, in dem er gastiert, die Unterkunft seine Kinder und seine Frau, die Österreicher im allgemeinen und die Dörfler im besonderen, denen der Blutwursttag wichtiger ist als sein überaus anspruchsvolles Stück. Dass ihm seine gepeinigte Familie nicht die Gefolgschaft aufkündigt, sondern auf Knopfdruck sein Loblied singt, ist nur mit jahrzehntelanger Dressur erklärbar.

Mal mag man ihm Recht geben in seinen Angriffen auf Spießertum, Kunstbetrieb und muffige nationale Gesinnung, mal graust es einen vor allem vor dem unangenehmen Wüterich selbst, den man nicht einmal bemitleiden mag. Komisch ist das schon, aber eher eine Tragödie als eine Komödie - und am Ende, nachdem niemand sein Stück sehen will, bleibt Bruscon auch wie ein gebrochener Feldherr zurück.

Leider war der reale Theatersaal nur dürftig gefüllt, ganz wie der in Utzbach. Bruscon hätte nicht mehr Zuschauer verdient gehabt, Manske und seine Mitspieler schon.

Von Heike Döhn

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