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Die zwei Welten der Ina Weber

Kunstverein Die zwei Welten der Ina Weber

Urbane Räume interessieren die Berliner Künstlerin Ina Weber. Der Marburger Kunstverein eröffnet am Freitag, 9. Mai, um 18 Uhr ihre Ausstellung „Fire Exit“.

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Ina Weber steht vor ihrer Investitionsruine „Mix CAFE“, die sie in Shanghai entdeckt hat und neben Installationen und Aquarellen im Kunstverein zeigt.Foto: Uwe badouin

Marburg. Der „Fire Exit“, der Notausgang, führt selten durch schöne Passagen, durch lichtdurchflutete freundliche Räume. Meist ist es ein Hinterausgang. Diesen Räumen auf den Rückseiten der Glitzerfassaden nähert sich Ina Weber an - in ihren oft großformatigen, realistischen Aquarellen ebenso wie in ihren Plastiken und Installationen.

Wer in den kommenden Wochen die Ausstellung „Fire Exit“ im Marburger Kunstverein besucht, wird kaum glauben wollen, dass das untere und obere Stockwerk von einer Künstlerin bespielt wird. So unterschiedlich sind die Arbeiten, die Materialien, die Sujets. Das Erdgeschoss gehört dem „Flachwerk“, also den Bildern. Mitgebracht hat die 50-Jährige klein- und großformatige Aquarelle von Stadtansichten. Menschenleer sind die Bilder und doch ist der Mensch in ihnen gegenwärtig. Es sind auch keine Stadtlandschaften im eigentlichen Sinn - sondern klug gewählte Ausschnitte wie etwa in dem kleinen Aquarelle „Manchester Chinatown“, das sie als einziges Exponat auf einer großen Wand im Erdgeschoss platziert hat. Es zeigt natürlich eine Rückseite: Klimaanlagen hängen an der Außenseite der Wand, wild verbunden durch Kabel. Man würde diese Szene eher in irgendeiner Dritte-Welt-Stadt vermuten, nicht aber in Manchester.

Doch genau diese Irritationen will die in Diez an der Lahn geborene Künstlerin. Und aus Shanghai, dieser hypermodernen chinesischen Metropole hat sie nicht etwa Bilder von Hochhausschluchten mitgebracht. Sie zeigt Zivilisationsmüll, aber wieder keine wilden Müllkippen, sondern Abfall, der sorgfältig sortiert von Müllsammlern zusammengetragen wird.

„Die Städte, die Dinge gleichen sich an“, sagt Ina Weber. Sie meint etwa Fußgängerzonen mit Geschäften internationaler Konzerne, die in Deutschland nicht wesentlich anders aussehen als etwa in England oder Frankreich. Doch der Blick auf die Rückseiten offenbare die Unterschiede. So zeigt sie in sehr realistischer Malerei „Versatzstücke aus dem urbanen Raum, die Geschichten erzählen können“.

Ganz anders sieht es im Obergeschoss aus. Den Hauptraum hat sie gemeinsam mit Helfern vom Kunstverein und ihrem Lebensgefährten verwandelt. An den Wänden wuchern bunte Plastikrohre, so als wäre der Kunstverein mit dem benachbarten Cineplex verbunden, würde dort etwa Fernwärme abzweigen.

Empfangen wird der Besucher im Obergeschoss aber erst einmal von kleinen Mini-Dixi-Klos in Lila, die fast versteckt in einer Ecke stehen, bevor der Blick auf das „Mix CAFE“ aus Holz, Pappe und Fliesen fällt. Es ist der „Nachbau“, die Interpretation einer Investitionsruine aus Shanghai, eines Hauses, das von Beginn an Bauruine war, nie fertiggestellt wurde. Gleich um die Ecke hängt eine Installation aus Lampions mit den Logos des Kapitalismus an der Decke: Banken, Lotto, Supermärkte strahlen dort um die Wette. Und auf dem Boden stehen „Möbel“, die an Waschbeton oder nackten Beton erinnern. „Möbel“, die man in Baumärkten findet. Ohnehin ist Ina Weber, wie die Ausstellung zeigt, eine gute Baumarktkundin.

Sind ihre Bilder nah an der Wirklichkeit, so sind ihre Installationen „eine Konstruktion der Realität“, sagt sie. Abstrakt und mit stillem Witz. „Es sei superschön, in so klaren Ausstellungsräumen zu arbeiten“, sagt die Künstlerin, die in Kassel studierte, viele Jahre im Ausland lebte und sich 2003 für Berlin entschied, „so wie 80 Prozent der Künstler“. Es mache Spaß, diese Räume zu verändern, dort fiktive Räume zu gestalten.

Die Ausstellung ist bis 26. Juni im Kunstverein zu sehen.

von Uwe Badouin

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