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Die siebte Saite macht den Klang aus

Konzert Die siebte Saite macht den Klang aus

Bach und die Viola da Gamba waren das Thema des Konzerts mit dem Gambenexperten Peter Lamprecht. Das selten zu hörende Instrument war in der Universitätskirche zu erleben.

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Peter Lamprecht spielte Kompositionen von Johann Sebastian Bach auf der Viola da Gamba und verlieh ihnen so einen besonderen Klang. Foto: Angelika fey

Marburg. „Wann hat man sich je derart auf ein solch rares Instrument einlassen können?“ freute sich Dr. Erich Zimmermann, der das Konzert für den Marburger Konzertchor betreute. Damit bringt Zimmermann auf den Punkt, was den Reiz des Konzerts mit dem Gambenspieler Peter Lamprecht ausmachte: In konzentrierter Stille konnte das zahlreiche Publikum in der Universitätskirche selten gehörte Klänge aus dem 17. und 18 Jahrhundert genießen.

Die Gambe sieht einem Cello sehr ähnlich. Wer genau zählt, der stellt aber fest, dass die Gambe im Gegensatz zu Instrumenten der Violinfamilie, die sechs Saiten besitzen, über eine weitere, die siebente Saite, verfügt.

In mittleren Lagen kaum vom Cello zu unterscheiden

Beim Zuhören fällt klanglich zunächst der beeindruckende Basston auf, den das Instrument erzeugen kann. In den hohen Lagen wiederum hört sich die Gambe fast nasal an, was ihr einen würdevollen, ätherischen Klang verleiht. In den mittleren Lagen allerdings ist die Gambe von einem Cello kaum zu unterscheiden. Weil eine Saite mehr aufgespannt ist, fehlt es ihr im Vergleich zum Cello zwar an Lautstärke - dafür begünstigt der Kirchenraum das reiche Resonanzverhalten, welches typisch für die Gambe ist.

Liebhabern von Johann Sebastian Bach ist die Gambe aus der Johannes-Passion bekannt, in der das Instrument die Alt-Arie „Es ist vollbracht“ begleitet. Das Konzertprogramm von Peter Lamprecht stellte den besonderen Charakter der Gambe sehr schön heraus: Etwa indem Lamprecht die vierte der bekannten sechs Cello-Suiten von Bach auf der Gambe spielte und so das volle Klangspektrum der Suite erst hörbar werden ließ. Nur mit der Gambe kommen die Basstöne der Melodie richtig zur Geltung, wie Lamprecht erläuterte.

Ebenfalls fesseln konnten die weiteren Stücke des Programms: ein von Lamprecht für die Gambe umgeschriebener Bach-Choral und eine Partita von August Kühnel (1645 - ca. 1700). Besonders stach die zum Abschluss gespielte Gamben-Sonate in d-moll von Karl Friedrich Abel (1723-1787) heraus. Abel war Patensohn und Schüler Bachs sowie ein überaus erfolgreicher Gambist.

Wie aber kommt Peter Lamprecht in der heutigen Zeit zur Gambe? Er war zunächst Solocellist beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und bei den Bergischen Symphonikern. Dann aber hörte er vor mehr als dreißig Jahren in London einen Gambenspieler, der mit dem Instrument umzugehen wusste: Lamprechts Begeisterung war geweckt.

Beim Konzert in der Universitätskirche gelang es ihm nun, auch das Marburger Publikum für den Klang der Gambe zu begeistern.

Von Angelika Frey

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