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Die große Dame und der Blues-Eleve

Konzert Die große Dame und der Blues-Eleve

Die eine hat in ihrer langen Musikerinnenkarriere schon so ziemlich alles erlebt, der andere steht in den Startlöchern: Maggie Bell und Krissy Matthews kochten am Freitag mit der „Hamburg Blues Band“ das KFZ ab.

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Publikum bejubelt Pianist und Orchester

Maggie Bell und Gert Lange während des Konzerts der „Hamburg Blues Band“ im KFZ.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Lang und gediegen ist die Liste der Sologitarristen, die schon mit der „Hamburg Blues Band“ die Bühne teilten. Gestandene Typen wie Alex Conti, Clem Clempson oder Miller Anderson, denen so schnell keiner etwas vormacht in Sachen Bluesrock.

Jede Menge kleineTaschenspielertricks

Jetzt allerdings haben sich Gert Lange, Bexi Becker und Hans Wallbaum einen Typen an Land gezogen, der fast noch als A-Jugend-Spieler durchgehen könnte: Krissy Matthews. Mit dem quirligen Briten bestritt das Trio aus Altona am Freitag den ersten Set im rappelvollen Kulturladen, und alle, die vielleicht eher wegen der großen Dame des schottischen Bluesrock in die Schulstraße gekommen waren, sahen einen Gitarristen, der trotz seiner gerade mal 23 Jahre schon den gesamten Riffkatalog des Genres abrufen kann. Matthews’ Finger singen mit kraftvollen Bendings den Blues, immer wieder wirft er seine Picks ins Publikum, weil er mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger gefühlvoller phrasieren kann. Dazu hat er jede Menge kleine Taschenspielertricks drauf, damit auch die Feierabendgitarristen im Publikum etwas zum Staunen haben. Und er ist ein richtig guter Songwriter. Aus seinem aktuellen Album „Scenes from a Moving Window“ steuerte Matthews drei Songs bei, die von einer erstaunlichen stilistischen Bandbreite zeugen. Das kommt nicht von ungefähr: Der junge Brite profitiert im Studio von der jahrzehntelangen Erfahrung Pete Browns, der als Texter, Produzent und Arrangeur schon Bands wie „Cream“ groß machte.

Sie schrieb Rockgeschichte mit „Stone the Crows“

Die Band, die Maggie Bell Anfang der 70er Jahre bekannt machte, hieß „Stone the Crows“. Die gab’s zwar nur drei Jahre lang, aber mit ihren Alben aus dieser Zeit schrieb die Formation aus Glasgow Rockgeschichte.

Maggie Bell wurde immer wieder gern mit Janis Joplin verglichen, was die Schottin wohl nie sonderlich beeindruckt hat. Der elementare, tragische Unterschied zwischen beiden: Maggie Bell steht mit 70 immer noch auf der Bühne und scheint jede Menge Spaß dabei zu haben. Und ihrer Riesenröhre verzeiht man dann auch gern mal den kleinen Ausflug in die seichte Welt einer Kylie Minogue.

Verstohlene Liebeserklärung?

Und wer weiß: Vielleicht war Bells Version von „Can’t get you out of my Head“ ja gar eine verstohlene Liebeserklärung in Richtung Krissy Matthews, der sich im zweiten Teil des Abends mit der Linksaußenposition begnügte, aber von dort aus bandtauglichen Backgroundgesang beisteuerte und nach wie vor kraftvolle Soli abfeuerte. Derweil nahm sich Maggie Bell sogar „Down in the Hole“ vor - passt bestens, ihr Timbre hat sich mittlerweile dem von Tom Waits merklich angenähert.

Ja, und irgendwie sind sie ja alle ziemlich patriotisch, die Brave Hearts. Dazu passt die trotzige Auswanderer-Hymne „I was in Chains“ ebenso gut wie Bells bissiges Bonmot: „Wenn Andy Murray bei den Australian Open gewinnt, ist er für die Briten ein Brite. Wenn er verliert, ist er Schotte.“

Murray verlor bekanntlich, in drei Sätzen. Maggie Bell, Krissy Matthews und die Hamburg Blues Band gewannen am Freitagabend, in zwei begeisternden Sets.

von Carsten Beckmann

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