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Die „faulen Hunde“ beißen noch

Releaseparty im KFZ: „Todd Anderson“ Die „faulen Hunde“ beißen noch

Von wegen „Stille Nacht, heilige Nacht“: Besinnliche Weihnachten sehen anders aus! Am zweiten Weihnachtsfeiertag ließen die Lokalhelden „Todd Anderson“ die KFZ-Bühne erbeben.

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So richtig Wut auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt? Die Marburger von „Todd Anderson“ wüteten am zweiten Weihnachtsfeiertag ziemlich unheilig im KFZ.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Bass vibriert, die Gitarre kreischt, das Schlagzeug kracht und Marco Seeger schreit sich die Seele aus dem Leib: „Allein! Allein! Allein“. Die Bühne ist in apokalyptisches Rot getaucht. Das passt: „Todd Anderson“ verbreiten mit ihrem krachenden Hardcore Endzeitstimmung.

Mehr als 100 Menschen sind am zweiten Weihnachtsfeiertag ins KFZ gekommen, um Besinnlichkeit gegen in Melodien gepresste Wut und Verzweiflung einzutauschen.

Sieben Jahre haben sich die Marburger Lokalhelden „Todd Anderson“, die sich nach der Hauptfigur des Films „Club der toten Dichter“ benannt haben, Zeit gelassen, um ihr drittes ­Album zu veröffentlichen. Der Grund ist entzückend: „Wir sind faule Hunde“, gesteht Schlagzeuger Florian. Scheinbar hat sich in der kreativen Pause ­ordentlich was angestaut. Geschadet hat es nicht. Im Gegenteil. Die „faulen Hunde“ sind wütend und beißen noch.

Verschnaufpausen mit Raum zum Atmen

Auch wenn der Titel ihres neuen Werkes erst etwas anderes suggeriert: „Die Stille schreit nicht mehr“ haben die Marburger Jungs es benannt. Doch das Motto täuscht. Mit zerstörerischer Kraft wüten die fünf durch ihre Songs.

„Draußen weint der Himmel und ich lieg im Kofferraum“, brüllt Frontmann Marco Seeger ins Mikrofon und springt über die Bühne. Er schleudert seine Lyrik mit brachialer Wucht ins Publikum. Wortkaskaden brechen sich Bahn. Dumpfer Bass grollt und kulminiert im Gitarrensturm in einem explosiven Gewitter.

Wenn sich dann die ganze gewaltige Energie entladen hat, wird alles ruhig. Es dominiert die Melodie. Ja, die „Altherrenmannschaft“ hat auch die etwas ruhigeren Töne für sich entdeckt. Schadet nicht. Die Verschnaufpausen tun dem Gesamtwerk gut. Sie geben etwas Raum zum Atmen.

Echte Hardcore-Fans kommen bei „Die Stille schreit nicht mehr“ auf jeden Fall auf ihre Kosten. Wer so richtig Wut auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt hat, dem sei diese Platte ans Herz gelegt.

Und diejenigen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag die Schnauze voll hatten von Jubel, Trubel, Heiterkeit oder dem alljährlichen Familienstress – die konnten sich bei „Todd Andersons“ Releaseparty wunderbar abreagieren.

Bleibt letztlich nur noch eine­ Frage offen: Wie lange wird es wohl diesmal dauern, bis die „faulen Hunde“ wieder hungrig sind und zubeißen?

von Nadine Weigel

 
 
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