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Die älteste offene Bühne Deutschlands

250. Marburger Abend im KFZ Die älteste offene Bühne Deutschlands

Man muss kein Prophet sein, um für Sonntag ein rappelvolles KFZ vorherzusagen. Der 250. Marburger Abend steht an – mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler wollen auftreten. Fans richten sich auf eine lange Nacht ein.

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Etwas Mut gehört aber dazu aber wer will, kann auftreten – wie das Trommeltrio Ahmad.

Quelle: Veranstalter

Marburg. Der Marburger Abend ist legendär. Er ist Kult. Viele von den Künstlerinnen und Künstlern aller Genres, die am Sonntag beim großen Jubiläums-Abend auftreten wollen, waren noch gar nicht geboren oder noch Kinder, als der Marburger „FolkClub“ am 10. Juli 1977 seinen ersten Marburger Abend unter dem Motto „Freie Bühne, freier Eintritt“ veranstaltete.

Am Sonntag geht er zum 250. Mal über die Bühne des KFZ. Der Marburger Abend ist damit „die älteste durchgängig betriebene offene Bühne in Deutschland“, sagt Moderator Bernd Waldeck. Der Marburger Abend hat schon viele Aufs und Abs erlebt. Waldeck selbst ist Anfang der 1990er Jahre dort aufgetreten.

„Damals war das KFZ immer rappelvoll“, erinnert er sich. Als er vor wenigen Jahren mal wieder vorbeischaute, war das KFZ nur spärlich gefüllt, der Marburger Abend fand nur noch alle drei Monate statt, war eindeutig auf dem absteigenden Ast. Gemeinsam mit Axel Herbst, Benjamin Rösner und Rudi Böhm vom KFZ hat er vor etwa zweieinhalb Jahren die damals darbende Reihe übernommen und wieder zu einem Kultereignis gemacht.

Im Netz schauen, was die anderen machen

„Inzwischen sind wir wieder jeden Abend voll“, sagt Waldeck. Warum? „Wir haben das Format ein wenig gestrafft.“ Der Erfolg hat viele Gründe: Einer ist die Straffung des Programms. Jeder Künstler oder jede Gruppe hat nur noch zehn Minuten Zeit – nicht wie früher 20 oder gar 30.

Zum anderen ist es die Facebook-Seite der Gruppe. Axel Herbst dreht seit geraumer Zeit von jedem Auftritt ein Video, das ins Netz gestellt wird. Jeder kann schauen, was die anderen so machen. Und Benjamin Rösner kümmert sich um die Organisation und den Online-Auftritt. Rudi Böhm um die Werbung und Organisation.

Mittlerweile stehen die Leute wieder Schlange vor dem Kulturladen und wer zu spät kommt, hat schlechte Chancen noch ein Plätzchen zu ergattern. Das gilt ganz besonders für den kommenden Jubiläums-Sonntag. Inzwischen haben auch Künstler außerhalb Marburgs diese Plattform für sich entdeckt: Sie kommen aus Dortmund, aus Frankfurt, aus Berlin, aus Gießen, um im KFZ aufzutreten. „Wir achten aber darauf, dass die Marburger nicht zu kurz kommen“, sagt Waldeck.

Das große Interesse der Künstler liegt einerseits an dem „super Publikum“, wie Waldeck sagt. Vom Schüler bis zum Rentner sei alles vertreten, ausgebuht werde niemand, die Atmosphäre sei freundlich. So wagen sich Anfänger ebenso auf die Bühne wie Profis, „die vor Publikum neue Sachen ausprobieren wollen“.

Spaß an der Show – und alles für lau

Die Bandbreite ist ebenfalls riesig, wie Waldeck sagt, der als Magier und Comedian „Mumpitz“ selbst viel Bühnenerfahrung hat. „Der Marburger Abend kommt aus der Folk-Ecke, der Schwerpunkt liegt noch immer auf der Musik“, sagt er. „Aber es gibt Lesungen, Comedy, Kabarett und sogar Puppentheater.“

Allen gemeinsam ist: Der Spaß an der Show. Und es gibt kein Geld. „Seit 1977 ist alles ehrenamtlich, die Organisation und die Auftritte.“ Bis 19.15 Uhr haben Künstler an Marburger Abenden normalerweise Zeit, sich für einen Auftritt anzumelden. Danach wird das Programm kurz abgestimmt, jeder Programmpunkt wird auf eine große Tafel geschrieben, die neben der Bühne steht, und dann kann es losgehen.

Für Sonntag aber wird es richtig voll. Schon jetzt haben sich nach Auskunft Waldecks 30 Gruppen und Künstler angemeldet. Es wird also nicht nur richtig voll, sondern auch sehr spät. Der „FolkClub“ hat sich auf einen Abend mit Open End eingerichtet. „Vielleicht kommen die Besucher ja in zwei Etappen. Die ersten früh und andere später“, meint Waldeck und weiß insgeheim, dass das wohl nicht klappen wird.

Und was wünscht sich der Moderator? „Vielleicht mal eine Tiernummer.“ Ein Löwe müsse es ja nicht sein, aber vielleicht ein Hund, der Purzelbäume schlägt. Mal sehen, vielleicht geht sein Wunsch ja irgendwann in Erfüllung – bis zum 500. Marburger Abend ist ja noch etwas Zeit.

von Uwe Badouin

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