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Die Wolken tanzen Sirtaki

Theater Gegenstand Die Wolken tanzen Sirtaki

Zoff zwischen Vater und Sohn – das gab es schon im alten Griechenland, wie Theater Gegenstand in der kurzweiligen 
Komödie „Die Wolken“ von Aristophanes zeigte.

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Das Theater Gegenstand hat „Die Wolken“ von Aristophanes auf die Bühne der Waggonhalle gebracht.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Pheidippides (Tobias Wulff) ist ein nichtsnutziger Kerl: Er hat das Vermögen seines Vaters verjubelt, ist frech, faul und uneinsichtig. Sein Vater Strepsiades (Hubert Klinger) möchte ihn zu Sokrates (Tobias Klös) in die Akademie schicken, damit er lernt, sich im Prozess mit den Gläubigern herauszureden. Aber der verwöhnte Filius hat keine Lust, und so muss der Vater selbst in die „Denkerbude“ des berühmten Philosophen gehen.

Hier lernt er so allerlei über alte und neue Zeiten, über Krieg und Frieden, über die Götter und über die Moral. Aber die neue Philosophie nützt ihm nichts, vielmehr ist der arme Mann am Schluss zutiefst verunsichert. Als auch noch sein eigener Sohn ihn verprügelt und dafür „triftige Gründe“ anführt, hat er endgültig die Nase voll von den modernen Ideen und zündet Sokrates Haus an.

Großes Engagement
und gute Spielideen

Mit „Die Wolken“ hat Regisseurin Nina Karen eine unterhaltsame und vielschichtige Komödie auf die Bühne der Waggonhalle gebracht. Vor allem das Engagement, das Können und die Spielfreude der jungen Darstellerinnen und Darsteller trugen zum Gelingen des Stückes bei. Viele gute Spielideen wurden verarbeitet und umgesetzt. So war etwa das Duell zwischen der gerechten und ungerechten Rede als ironischer Boxkampf dargestellt.

Oder der Auftritt der Wolken, die die neuen Ideen verkörpern sollten, kam als ausgelassener Sirtaki-Tanz daher. Die Bühne war die meiste Zeit karg und leer, Requisiten fehlten fast völlig. Umso mehr kamen die vielen phantasievollen Kostüme zur Geltung. Von der knackigen Lederhose bis zum fluffigen Ballettröckchen, von der bunten Clownsjacke bis zum schlichten, klassischen Gewand war alles mit dabei.

Verbeugung vor der klassischen Theatertradition

Dazu trugen die Schauspieler ausdrucksvolle Masken, wie sie im antiken Theater üblich waren. Auch hier gab es einen bunten und fröhlichen Stilmix. „Die Wolken“ von Aristophanes wurde 423 vor Christus uraufgeführt. Das Stück enthält eine grundlegende Kritik an der Philosophie des Sokrates, aber auch an den Menschen seiner Zeit.

Die Vorstellung einer rationalen Welt ohne Götter war dem konservativen Dichter ein Dorn im Auge. Aristophanes kritisierte aber nicht nur 
das falsche Denken und die Unmoral seiner Zeit, sondern auch den Krieg, der seit zehn Jahren zwischen Athen und Sparta tobte.

Das Theater Gegenstand will die Inszenierung von „Die Wolken“ als Verbeugung vor der klassischen Theatertradition verstanden wissen. Außerdem möchte die Truppe 
so ihre Solidarität mit Griechenland ausdrücken und darüber hinaus ihre Sorge über die Situation im kriegsgeplagten Syrien.

von Bettina Preussner

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