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„Die Wolken sind ein tolles Geschenk“

Kunst „Die Wolken sind ein tolles Geschenk“

In Doris Conrads Atelier fühlt sich der Besucher gleich wie im Himmel: Wolken, all überall, und Sterne, die sich in den Weiten des Universums verlieren. Daneben ein alter österreichischer Flügel. Für die Pausen. Sagt die Künstlerin.

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Doris Conrads wird der Wolken- und Sterne-Bilder nicht müde.

Quelle: Christine Krauskopf

Marburg. Am Sonntag führt sie in Astrid Dermutz Marburg-Film durch die malerischen Winkel der Stadt. Eigentlich muss Doris Conrads dafür ihr Haus in der Weidenhäuser Straße gar nicht verlassen. Der Hof, den sich die Familie mit den Nachbarn teilt, könnte grüner, uriger und idyllischer kaum sein. Seit mehr als 20 Jahren leben die Conrads in der ehemaligen Brauerei, Baujahr 1860.

Die Eichefußböden sind noch original, die Biedermeiertreppe ebenfalls. Der Architekt hat bei der Renovierung des Gebäudes vorsichtige Arbeit geleistet, die Familie es behutsam eingewohnt und mit Schönem möbliert. In einer solchen Umgebung wundert es nicht, dass Doris Conrads den Kopf für die Unendlichkeit frei hat: Und wenn sie mal eine Anregung braucht, steigt sie aufs Fahrrad, um sich draußen von den Wolken „umspülen“ zu lassen.

„Dieses schöne Bild bekommen wir jeden Tag geboten, und es ist ein tolles Geschenk,“ sagt sie. Zurück im Atelier türmt sie dann mit grauen und blauen, mitunter auch grünen Aquarellfarben Schicht auf Schicht, Wolke auf Wolke. Durch Titan-Weiß-Pigmente werden sie plastisch. „Gehöht“ heißt das in der Fachsprache, erklärt die Malerin. Mit 1.50 mal 1.50 Meter lassen sich die Wolken-Leinwände gerade noch von ihr tragen. Falls der Galerist und Kunsthistoriker, Dr. Michael Herrmann, sie überzeugen kann, malt sie irgendwann vielleicht größere Bilder.

Für ihre Sternenbilder setzt sie sich gleich aufs Papier. Mit Kreidestrichen, die sie sorgsam mit den Fingern zu einer Fläche verwischt, arbeitet sie sich Ebene für Ebene in die Unendlichkeit. Unzählige funkelnde Sterne füllen den von ihr geschaffenen grenzenlosen, tiefen Raum. In der Schule hatte sie im Unterricht die Sternenkarten des Diercke-Welt-Atlas’ heimlich unter der Bank studiert. „Ich war eine rasend-schlechte Schülerin“, gibt sie zu.

Ein Diercke mit reichlich Gebrauchsspuren liegt im Atelier, daneben unzählige andere Bildbände mit Fotos aus dem Weltall. Und dann schwärmt sie von der unglaublichen Stille, der Weite und den Dünen der Jordanischen Wüste. „Das Universum hat mich in seinen Bann gezogen“, gibt sie zu. Der Himmel sei faszinierend, und auch mit Stephen Hawkings Forschungen, die Simulation des Urknalls am Computer und dem Entfalten des Universums beschäftigt sie sich.

Gleich neben ihrem Atelier hat sie ihre Dunkelkammer eingerichtet, denn noch mag und nutzt sie die Schwarz-Weiß-Fotografie. Ein kleines Köfferchen ist voll von Bildern. Ihr liebstes Motiv: Wolken! Und Wasser.

von Christine Krauskopf

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