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Die Wirklichkeit holt Roman ein

OP-Buchtipp: Martin Walker: „Provokateure“ Die Wirklichkeit holt Roman ein

Das Leben im beschaulichen Périgord-Städtchen Saint-Denis wird bedroht von islamistischem Terror. Der Chef de police Bruno ermittelt nicht nur gegen fremde „Provokateure“, sondern auch in den eigenen Reihen.

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Der schottische Journalist und Autor Martin Walker präsentiert seinen siebten Périgord-Krimi.

Quelle: Klaus Einwanger / Diogenes

An dieser Nuss hat der erfahrene Chef de police Bruno aus dem Périgord-Städtchen-Saint Denis heftig zu knacken: Was haben ein schwer misshandelter fremder toter Mann und ein einheimischer autistischer Junge, der anscheinend im Dienste des Dschihad stand, miteinander zu tun? Martin Walker, Schöpfer der beliebten Krimireihe um Bruno, holt mit seinem neuen Buch „Provokateure“ zum siebten Schlag aus und ist dabei so aktuell und politisch wie noch nie.

Die übel zugerichtete Leiche des Unbekannten, die am frühen Morgen am Ortsrand entdeckt wird, schlägt dem Polizisten schwer auf den Magen, denn die Foltermerkmale verraten Methode. Schon bald ist klar, dass der Fremde ein Undercover-Agent war, der in der benachbarten islamischen Gemeinde einen Pool zur Radikalisierung junger Muslime vermutete. Nahezu zeitgleich sucht in Afghanistan ein völlig verstörter junger Mann Hilfe bei den französischen Truppen. Der als geistig verwirrt eingestufte Sami will zurück nach Hause, ins Périgord.

Gefahr von allen Seiten

Die Rückführung gelingt, wenn auch die Zukunft des Jungen ungewiss ist: Weiß doch niemand, ob er als Freund oder Feind einzustufen ist. Sami hatte die Schule jener Moschee besucht, die der ermordete Agent ins Auge gefasst hatte. Bruno, der als Ortskundiger und Bekannter von Sami und seiner Pflegefamilie in die groß angelegte Aufklärung einbezogen wird, sieht sich mit politischen Verwicklungen konfrontiert, von denen er sich nie hätte träumen lassen, dass diese einmal seine beschauliche Heimat erreichen könnten.

Saint-Denis gerät auch wegen einer anderen, jedoch positiven Geschichte in den Fokus der Öffentlichkeit. Hier hatten während der Nazi-Besetzung und des Vichy-Regimes mutige Einwohner ein jüdisches Geschwisterpaar versteckt, das sich jetzt, Jahrzehnte später, der Gemeinde erkenntlich zeigen will. Auch hier ist Bruno involviert, was ihm allerdings mehr Zeit abfordert, als er eigentlich hat. Ganz zu schweigen von der Gefahr, in die er sich wegen seines Engagements für Sami befindet und die er auf die jüdische Familie übertragen könnte.

25 Jahre Autor für „The Guardian“

Als Martin Walker den siebten Fall für seinen Chef de police konstruierte, ahnte er noch nicht, dass sein neuer Roman schon bald von einer grausamen Wirklichkeit eingeholt werden würde. Denn das Attentat auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 5. Januar dieses Jahres in Paris belegt einmal mehr, dass Europa von dem gewaltigen Erdbeben in der muslimischen Welt nicht unberührt bleibt. Es sei ihm einfach nicht möglich gewesen, in Zeiten, wo sich die Welt so radikal verändere, einen Roman zu schreiben, ohne Fragen zum Terrorismus aufzuwerfen, sagte Walker in einem Interview.

Das ist durchaus nachvollziehbar, vor allem für einen politischen Journalisten, der 25 Jahre lang für die britische Tageszeitung „The Guardian“ geschrieben hat, bevor er sich im Périgord niederließ. Dort widmet sich der Schotte neben den Geschichten um Bruno auch mit viel Leidenschaft der berühmten Küche seiner Wahlheimat, die er stets seinen Lesern schmackhaft macht.

So gibt es auch in „Provokateure“ wieder Feines aus Topf und Pfanne oder vom Grill zum Nachkochen, was durchaus mit Walkers realitätsnaher und grausamer Thematik vereinbar ist.

  • Martin Walker: „Provokateure“, Diogenes Verlag, 426 Seite, 23,90 Euro.

von Frauke Kaberka

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