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Die Wende-Jugend im Rausch

Kinostart: „Als wir träumten“ Die Wende-Jugend im Rausch

Der Film „Als wir träumten“ machte den Leipziger Clemens Meyer vor knapp einem Jahrzehnt auf einen Schlag berühmt. Jetzt hat Andreas Dresen die wilde Wende-Geschichte für das Kino verfilmt.

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Pitbull (Marcel Heupermann, von links), Rico (Julius Nitschkoff), Paul (Frederic Haselon), Dani (Merlin Rose) und Mark (Joel Basmann).

Quelle: Rommel Film / Pandora Film

Andreas Dresen ist ein echter Menschenfreund. Der 51-jährige Regisseur von Filmen wie „Halt auf freier Strecke“, inszeniert seine Filmfiguren stets mit viel Herz und Verständnis für ihre Probleme und Eskapaden. Die Jungs in seinem neuen Film „Als wir träumten“ sind auf den ersten Blick allerdings keine reinen Sympathieträger.

Dani, Pitbull, Mark, Rico und Paul ziehen kurz nach der Wende gerne vollgetankt mit Alkohol durch Leipzig, klauen Autos und zerstören im lustvollen Gewalt-Rausch alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

Später machen die 17-Jährigen einen Techno-Club auf, müssen sich gegen Neonazis wehren, finden Selbstbestätigung im Boxen, suchen nach Liebe und landen im Drogensumpf.

Emotionen und Kontraste beeindrucken

„Als wir träumten“ ist die sehr werktreue Verfilmung des Debütromans des preisgekrönten Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer – und nach zahlreichen von Improvisation bestimmten Regiearbeiten Dresens wieder ein Film mit festem Drehbuch, geschrieben vom 83-jährigen Wolfgang Kohlhaase („Sommer vorm Balkon“).

Die Umsetzung der verschiedenen Zeit- und Erzählebenen in die Filmgeschichte gelingt dem Regisseur gut. Doch der Wechsel vom sanft melancholischen Off-Kommentar des Hauptdarstellers Dani (Merlin Rose) zu den manchmal etwas schwerfälligen Dialogen innerhalb der Clique klappt nicht immer.

Beeindruckend ist dagegen der Emotionen erzeugende ästhetische Wechsel zwischen den grellbunten, in der DDR-Schulzeit der Jungs spielenden Rückblenden und dem grauen Nachwende-Leipzig, dem alle Farbe entzogen wurde.

„Es ist der Traum von den großen Möglichkeiten“, sagt Dresen über die Gefühlslage der aus dem Arbeitermilieu stammenden Jungs in der Zeit nach dem Mauerfall. „Diese Jahre waren ein Rauschzustand. Aber wie das bei jedem Rausch so ist: Am Schluss kommt das Erwachen und dann ist der Morgen ein fahler. Man hat ein bisschen Hangover – und dann ist man erwachsen.“

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Palette.

von Elke Vogel

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