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„Die Welt ist aus den Fugen geraten“

Stadttheater Gießen stellt Spielplan vor „Die Welt ist aus den Fugen geraten“

Zum ersten Mal verzichtet das Stadttheater Gießen auf ein Motto für die kommende Spielzeit. 
Es ist eine Reaktion auf ­eine Welt, die aus Sicht der Theatermacher aus den Fügen gerät.

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Stellten den Spielplan gemeinsam vor (von links): Künstlerischer Betriebsdirektor Guido Hack­hausen, Cathérine Miville, Gastdramaturg und Leitung Schauspiel Matthias Schubert, Drama­-
turgin Cornelia von Schwerin, Abdul-M. Kunze, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, sowie ­Ballettdirektor Tarek Assam.

Quelle: Stephan Scholz

Gießen. Wer durch das Spielzeitheft 2016/17 des Stadttheaters Gießen blättert, der stößt auf viel Vertrautes. Denn auch in der kommenden Saison setzt das Drei-Sparten-Haus auf eine Mischung aus klassischem und zeitgenössischem Schauspiel, bekannten Opern, zahlreichen Konzerten und einer ganzen Reihe Uraufführungen.

Doch etwas ist diesmal anders: Zum ersten Mal verzichtet das Haus am Berliner Platz unter der Führung von Cathérine Miville auf ein übergeordnetes Spielzeitmotto. Das hat einen Grund: „Wir stellen fest, dass sich Werte, die bislang als absolut unverrückbar und unantastbar galten, verschieben. In dieser Gegenwart haben wir uns nicht auf einen Begriff festgelegt“, sagte die Intendantin bei der Programmvorstellung.

„Wir haben den Eindruck, die Welt spielt verrückt und ist aus den Fugen geraten“, erklärte Miville. Das Denken sei an Grenzen geraten, während sich bislang gültige Werteskalen verschöben. „Diese Gegenwart können wir nicht auf einen Begriff bringen. Deshalb verzichten wir auf ein Motto“, betonte die Chefin, die als Gießener Intendantin ihren mittlerweile 15. Spielplan vorlegte.

Das Theater mache es sich in dieser Situation zur Aufgabe, nach Wurzeln zu suchen und damit zur gesellschaftlichen Debatte beizutragen. „Wir wollen von der Werteachterbahn zurück zur Wertediskussion“, so Miville.

 

Musiktheater

Das Musiktheater setzt zu diesem Zweck neben einigen Wiederaufnahmen auf acht neue Produktionen. Los geht es am 10. September im Großen Haus mit Giuseppe Verdis „La Traviata“, bevor am 29. Oktober die Premieren von „Ab in den Wald – Into the Woods“ von Stephen Sondheim und James Lapine und am 20. November von Kalle Kubiks „Boys, Boys, Boys. Die Schmachtigallen landen einen Hit“ folgen.

Am 17. Dezember steht Carl Maria von Webers „Oberon“ in konzertanter Aufführung auf dem Programm, am 28. Januar 2017 „Der Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius sowie am 25. März Mozarts „Così fan tutte“.

Am 13. Mai gibt es „Leben mit einem Idioten“ von Alfred Schnittke. Neben diesen Premieren im Großen Haus wird ab 26. November 2016 im taT Jacques Offenbachs Operette „Häuptling Abendwind“ gegeben.

 

Tanztheater

Eindrucksvoll ist der Blick auf den Spielplan des Tanztheaters, das in dieser Saison ausschließlich Uraufführungen zeigt. Auftakt ist am 8. Oktober „All we see“ nach Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“.

Mit ihren Versionen von „Macbeth“ und dem „Sommernachtstraum“ hat die Gießener Tanzcompagnie große Erfolge gefeiert: Mit „Titus Andronicus“ knüpft Ballettdirektor­ ­Tarek ­Assam ab 18. Februar 2017 an diese Shakespeare-Tradition an. Zuvor steht aber im taT ab 11. November 2016 „Der blonde Eckbert“ auf der Tagesordnung. Ab 1. Juni 2017 ist dann auf der Studiobühne „Seid was ihr wollt“ zu erleben.

 

Schauspiel

Auch das Schauspiel lässt sich nicht lumpen und startet mit einem langen Abend: Ab dem 24. September gibt es im Großen Haus „Ödipus auf Kolonos“ und „Antigone“ von Sophokles unmittelbar nacheinander.

Weitere Premieren finden statt am 12. November von „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt, am 7. Januar 2017 von „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer sowie am 4. März 2017 von „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ nach dem Roman von Mark Haddon. Die „Diebe“ von Dea Loher sind ab 22. April im Großen Haus unterwegs.

Und auch auf der taT-­Studiobühne ist einiges los: Bereits am 8. September 2016 feiert Wajdi Mouawads „Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge sehen“ seine Premiere. Noch nicht terminiert sind die „Sonny Boys“ von Neil Simon sowie die Schauspiele „The Effect“ von Lucy Prebble und „Konstellationen“ von Nick Payne.

Daneben sind weitere Projekte und Wiederaufnahmen geplant, und auch das Kinder- und Jugendtheater hat mit „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler am 24. November 2016 eine große Premiere auf der Tagesordnung. Noch nicht terminiert ist „Raus aus dem Haus“ von Ingeborg von Zadow für alle ab zwei Jahren.

von Stephan Scholz

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