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Die Titanic ist ein Ossi

Standing Ovations für "Oben bleiben!" Die Titanic ist ein Ossi

Ex-Intendant Ekkehard Dennewitz setzt seine Frau Uta Eisold in „Oben bleiben!“ am Landestheater als Schauspielerin Vera Landis in Szene. Am Sonntag war Premiere in der ausverkauften Black Box.

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Uta Eisold spielt in „Oben bleiben!“ bravourös die Schauspielerin Vera Landis, die auf ihr Leben zurückblickt.Foto: Arne Landwehr

Marburg. Eine einzige Schauspielerin. Ein 75-minütiger Monolog. Und eine Bühne, deren größter Special Effect ein „Kurzschluss” darstellt. Dass das Marburger Publikum sich begeistert zeigt von dem Debüt-Stück des Berliner Autors, Regisseurs und Schauspiellehrers Carsten Golbeck, ist das Verdienst von Uta Eisold.

Seit 23 Jahren ist die 60-Jährige bereits in Marburg auf der Bühne zu sehen, auch hat sie mehrere Regiearbeiten vorgelegt. Es ist ihr energiegeladenes Spiel, das den Abend trägt. Denn das Stück, das zwischen eher platten und durchaus tiefgründigen Kommentaren zum Älterwerden, zum Geschlechterverhältnis und zur Wende schwankt, hat seine Längen.

Es braucht eine gestandene Schauspielerin wie Eisold, um diesem Text Leben einzuhauchen. Und das tut sie bravourös. Vor allem den beißenden Spott und den Galgenhumor im Angesicht des Karriereendes bringt sie genial und jederzeit glaubwürdig auf die Bühne.

Der Zuschauer merkt, dass es einige Parallelen zwischen Vera Landis, der fiktiven, und Uta Eisold, der realen Schauspielerin, gibt. So spielt etwa die Wende eine wichtige Rolle im Leben beider. Eisold stand am Abend des 9. November 1989 gerade auf der Bühne, Landis erzählt von den Proben zu „Die Überlebende der Titanic”, das mit dem Ende der DDR nicht mehr aufgeführt werden konnte.

Dieses stramm sozialistische Theaterstück bildet innerhalb der Fiktion von „Oben bleiben!” die Vorlage für den Blockbuster „Titanic” - und wird damit ironischerweise zur Vorlage für eine amerikanische Multimillionendollar-Produktion aus der Kommerz-Maschine Hollywood.

An solchen absurden Einfällen ist das Stück nicht arm. Am stärksten ist es jedoch, wenn es sich auf seine Hauptfigur konzentriert, die dem Publikum ihre Lebensgeschichte erzählt. Besonders amüsant und darum nicht weniger treffend ist die Beschreibung der vier Phasen, die eine Schauspielerin in ihrem Berufsleben durchlaufe: In der ersten werde man nur als Gretchen, Emilia und Ophelia besetzt - und keine davon erlebe das Ende des Stücks -, die letzte Phase habe nur noch die Rolle der verschrobenen Nachbarin oder die der netten Großmutter zu bieten. Ganz im Gegensatz dazu die männlichen Kollegen, für die es in jedem Alter interessante Rollen gebe.

Das Stück selbst entkräftet jedoch diese Kritik. Denn Gretchen, Emilia und Ophelia, das sind Figuren aus zwar häufig gespielten, aber eben auch über 200 Jahre alten Stücken. Dass es einen Theatertext wie „Oben bleiben!” gibt, beweist doch gerade, dass heute Werke mit vielschichtigen und auch älteren Frauenfiguren geschrieben werden.

Regie führte Ekkehard Dennewitz, auch er in der Universitätsstadt kein Unbekannter. 19 Jahre war er Intendant des Hessischen Landestheaters, nun kommt er für eine Regiearbeit zurück an seine alte Wirkungsstätte. Die Marburger danken es ihm und seiner Frau mit viel Applaus und Standing Ovations als Beweis für ihre anhaltende Beliebtheit.

Weitere Vorstellungen sind am Sonntag, 9. November, und am Freitag, 14. November, jeweils um 19.30 Uhr in der Black Box des Hessischen Landestheaters im Theater am Schwanhof.

von Vera Zimmermann

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