Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Die Suche nach jüdischer Identität

Neu im Kino: Der letzte Mentsch Die Suche nach jüdischer Identität

In „Der letzte Mentsch“ hat Marcus Schwartz den Holocaust sein Leben lang ausgeblendet. Doch im Alter kommen Erinnerungen und mit ihnen der Wunsch, wieder seine jüdische Identität zu finden.

Voriger Artikel
Ex-BAP-Gitarrist kommt ins KFZ
Nächster Artikel
Brutal, verstörendund sehr bewegend

Marcus tanzt mit seiner Kindheitsliebe Ethel.Foto: farbfilm

Marburg. Menahem Teitelbaum (Mario Adorf) hat sich dafür entschieden, das Grauen des Holocaust aus seinem Leben auszublenden, ebenso wie seine jüdische Identität. Seit Jahrzehnten lebt er in Köln als Marcus Schwartz. Ihm wird klar: Er will endlich wieder Jude sein und auf dem jüdischen Friedhof seine letzte Ruhestätte finden. Dazu muss er seine Herkunft beweisen. Er bricht in seine alte Heimat Ungarn auf, um dort nach Dokumenten oder Menschen zu suchen, die sein Judentum bezeugen können.

Der französische Regisseur Pierre-Henry Salfati, der mit Alexander Schuller auch den Roman dazu geschrieben hat, stellt mit Gül (Katharina Derr) Marcus eine moderne junge Frau an die Seite, die auf den rührseligen Vergangenheitstrip keine Lust hat. Erst allmählich freunden sie sich auf der abenteuerlichen Autofahrt von Deutschland über Budapest in den Ort Vác an. Denn beide verbindet etwas: Die Suche nach der Identität, mag sie jüdisch oder atheistisch, deutsch oder türkisch, alt oder jung sein. Allerdings sind die Figuren nur schwer zu fassen. Auch die Dialoge sind oft behäbig, die Handlungen mitunter bedeutungsschwer aufgeladen.

So entsteht eine seltsam künstliche Atmosphäre, auch dann, als Marcus seine Kindheitsliebe Ethel (Hannelore Elsner) trifft. Am Ende bleibt vieles an der Oberfläche, trotz poetischer Momente. Erst in der zweiten Hälfte wird die Geschichte zugänglicher, vor allem als Marcus in seinem alten Heimatort nach wenigen Spuren seiner Kindheit und des jüdischen Lebens sucht. Ohne falsche Sentimentalität und ohne Zuckerguss schildert der Film die fast kindliche Verzweiflung des alten Mannes, als er nur noch Überreste findet.

Der Film läuft im Filmkunsttheater Palette.

von Cordula Dieckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr