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Die Spendensammler des Landestheaters

Freundeskreis feiert 20-jähriges Bestehen Die Spendensammler des Landestheaters

Mit vollem Namen heißt der Verein „Freundeskreis des Hessischen Landestheaters Marburg“. Seit 20 Jahren unterstützt er das Theater ideell und materiell. Am Montagabend wurde gefeiert.

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Das Gruppenfoto zeigt Jürgen Bandte (von links), Vorsitzender des Freundeskreises, Intendant Matthias Faltz, Ex-Intendant Ekkehard Dennewitz und Bernd Höhmann, Gründungsvorsitzender des Freundeskreises.Foto: Uwe Badouin

Marburg. Was wäre ein Theater ohne Freundeskreis? Mit Sicherheit ärmer. Sowohl materiell als auch ideell - also in der öffentlichen Wahrnehmung. Dies machten am Montagabend in der Galeria Classica des Hessischen Landestheaters Marburg alle Redner deutlich: Der ehemalige und der neue Intendant, Ekkehard Dennewitz und Matthias Faltz, würdigten ebenso wie die zuständige Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) und der Theaterreferent des Landes Hessen, Albert Zetsche, die Arbeit des Vereins.

Eine Legende besagt, dass der Verein am 4. Juli 1994 in einem Hinterzimmer des Stadthallenrestaurants von 23 Theaterfreunden gegründet wurde. Inzwischen hat der Verein rund 200 Mitglieder, die das Marburger Theater tatkräftig unterstützen. 140000 Euro haben die Geldsammler des Theaters bislang für Investitionen bereitgestellt, für die das Theater keinen Etat hatte: 100000 Euro in der Ära Dennewitz, der das Hessische Landestheater von 1991 bis 2010 leitete, und 40000 in der noch jungen Ära Faltz, der seit 2010 Intendant ist. Diese Zahlen nannte der Freundeskreis-Vorsitzende Jürgen Bandte. Finanziert wurden unter anderem neue Headsets für Musikproduktionen und große Werbebanner. Zuletzt überwies der Verein 7000 Euro für den ersten Kinowerbespot des Landestheaters, der schon vor der ersten Aufführung wegen seiner Freigabe ab 16 Jahren für viel Wirbel sorgte.

Das Geld stammt von den Mitgliedern des Vereins - aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Insbesondere der Vorsitzende Bandte, der das Amt 1998 vom Gründungsvorsitzenden Bernd Höhmann übernahm, lässt kaum eine Gelegenheit aus, Geld für das Marburger Theater zu sammeln. So ging auch am Montagabend eine Spendenbox herum, die möglichst nicht unangenehm klirren sollte - also Scheine her, wertes Publikum, die sind leiser und machen irgendwie auch mehr her. 7000 bis 8000 Euro kommen so pro Jahr zusammen, die komplett an das Landestheater gehen, wie Bandte betont. Doch diese finanzielle Hilfe ist eben nur eine Seite der Medaille. Mindestens genauso wichtig ist die ideelle Unterstützung.

Gegründet wurde der Verein auf Initiative des langjährigen Intendanten Dennewitz. Der Grund: Anfang der 90er Jahre machten Überlegungen die Runde, ob Marburg denn überhaupt ein eigenes Theater brauche. In Gießen gebe es ein Drei-Sparten-Haus, das ja auch Marburg bespielen könne.

Hartnäckige Lobby für das Landestheater

Ein Verein, der Lobby-Arbeit für das kleinste hessische Subventionstheater macht, eine „Pressure Group“, sollte Abhilfe schaffen. Offenbar mit Erfolg: 20 Jahre später steht das Landestheater auf einem stabilen Fundament. Land und Stadt schultern den Etat von rund 3,4 Millionen Euro. Und das Marburger Theater müsse sich vor größeren Häusern keineswegs verstecken, sagte Bandte. Ausreichend Vergleiche hat er nach vielen Theaterfahrten mit dem Verein.

Auch Stadträtin Weinbach hob hervor, dass das Theater Freunde brauche, die deutlich machten, dass Theater unverzichtbar sei. Für Albert Zetsche sind derartige Fördervereine „die Hefe in einer Stadtgesellschaft“. Er überbrachte Grüße des zuständigen Ministers Boris Rhein, der noch im Frühjahr Theatersparten auf den Prüfstand stellen wollte, nach Protesten von Theatervereinen aber zurückruderte. So konnte Zetsche am Montag verkünden: „Es stehen keine Spartenveränderungen an.“ Selbstverständlich würdigten auch Dennewitz und sein Nachfolger Faltz die Arbeit des Vereins. Das Theater finde stets ein offenes Ohr beim Freundeskreis.

Das Theater bedankte sich auf seine Art: Chefdramaturg Alexander Leiffheidt hatte mit den Ensemblemitgliedern Ayana Goldstein, Annette Müller, Artur Molin sowie Ogün Derendeli, der das Ensemble zur Spielzeit verlassen hat, sowie den Musikern Christian Keul, Jakob Bussmann und Michael Lohmann eine knackige Revue mit Songs aus den Publikumshits „Blues Brothers“, „Dreigroschenoper“ und „Woyzeck“ vorbereitet, die man auch einem zahlenden Publikum präsentieren könnte.

von Uwe Badouin

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