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Die Senkrechtstarter aus dem Netz

AnnenMayKantereit im KFZ Die Senkrechtstarter aus dem Netz

„AnnenMayKantereit“, den Bandnamen muss man sich erst einmal merken. Viele kennen die Kölner Band aber offensichtlich schon: Das Konzert im KFZ war Wochen vorher restlos ausverkauft.

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Fast ein wenig verloren wirkt Sänger Henning May auf der KFZ-Bühne, doch fesselt er die wachsende Fanschar mit einer ausdrucksstarken Stimme und oft melancholischen Texten.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Es lohnt sich, sich den Bandnamen zu merken. Denn wenn es mit rechten Dingen zugeht, werden Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit noch richtig groß.

Ein überwiegend junges Publikum hat sich im KFZ eingefunden, dem die ebenfalls noch sehr jungen Musiker von „AnnenMayKantereit“ mit ihren poetisch-rotzigen Texten wohl aus der Seele sprechen. Und die sich begeistern können für eine Musik, die sich vom üblichen Radio-Einheitsbrei absetzt, die extrem heutig ist und dabei auf jede Menge Elemente der Musikgeschichte zurückgreift.

Doch bevor die Kölner Band loslegt, stehen zwei Mitglieder der eigentlich fünfköpfigen Band „Rekk Rekk“ auf der Bühne, und das Publikum schenkt ihren unaufgeregten Singer-Songwriter-Balladen freundliche Aufmerksamkeit. „Ihr hört ja richtig zu“, freuen die beiden sich, und auch von dem Hauptact des Abends bekam das Publikum für sein Interesse und den Support später ein dickes Lob.

Aber natürlich sind es „AnnenMayKantereit“, die für das volle Haus gesorgt haben. Als Straßenmusiker haben sich die drei ihre Sporen verdient, haben sich von kleinen in immer größere Clubs gespielt, haben mit ihren Clips auf Youtube eine immer größere Fangemeinde erreicht. Und sie wirken auf der Bühne immer noch ein wenig überrascht über die Begeisterung, die ihnen entgegenschlägt. Die erste CD haben sie ohne Plattenlabel selbst live eingespielt, auf der Bühne im KFZ kündigen sie immer wieder Songs an, die noch in der „Improvisier-Phase“ sind, wie sie sagen.

Mit Schlagzeug, Gitarre und Harmonika, dazu Gastmusiker Lars Lötgering am Bass, präsentieren die Kölner mitreißende Songs mit ganz viel Blues- und Soul-Einflüssen, mit Elementen von Funk und Reggae - und immer ganz unverwechselbar „AnnenMayKantereit“, auch wenn sie den Soul-Klassiker „Sunny“ covern. Tanzbar und gefühlvoll.

Charakteristisch ist die Stimme des zierlichen Sängers Henning May, die viel zu tief, rau und schwarz scheint für den jungen Wuschelkopf - Lee Marvin könnte sich eine Scheibe abschneiden. Ungeheuer sympathisch und authentisch kommt der Sänger rüber, der auf Show verzichtet und doch die Blicke auf sich zieht. Und seine Geschichten von brüchiger Liebe, von Verlust und Melancholie erzählt, als durchlebe er sie gerade zum ersten Mal. Im Gegensatz zur CD ist nur ein einziges Lied auf Englisch dabei - eine gute Entscheidung, denn die Musik der jungen Musiker gewinnt enorm durch die zugleich zarte und flapsige Sprache.

Nicht nur musikalisch nutzen die Kölner viele Einflüsse, in ihren Texten beziehen sie sich auf Erich Fried und Rio Reiser - für eine so junge Band ebenso wenig selbstverständlich wie der ausdrückliche Appell ans Publikum, sich das Konzert gefälligst direkt anzuschauen und nicht durchs Handy. Mit „Wohin du gehst“ und „Barfuß am Klavier“ haben „AnnenMayKantereit“ schon regelrechte Hits. Wenn sie so weitermachen, müssten weitere folgen.

von Heike Döhn

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