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Die Sehnsucht nach den Zwischentönen

Ulla Meinecke spielte in Waggonhalle Die Sehnsucht nach den Zwischentönen

Ulla Meineckes Konzert in der ausverkauften Waggonhalle gefiel am Dienstag knapp 200 Zuhörern ausnehmend gut.

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Ulla Meinecke gab ein lässiges Konzert in Marburg, von sanftem Swing zu hartem Rock war alles dabei.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Seit rund 40 Jahren ist die Sängerin Ulla Meinecke nicht mehr von den deutschen Bühnen wegzudenken. In den 80-er Jahren hatte sie mit Songs wie „Die Tänzerin im Sturm“ sogar einige veritable Hits.

Nachdem es um Meinecke in den vergangenen Jahren etwas ruhiger geworden ist, ist die mittlerweile zur Mittsechzigerin gereifte Sängerin wieder Stammgast in Clubs und auf Kleinkunst-Bühnen der Republik.

Dabei war sie auch dieses Mal mit „leichtem musikalischen Gepäck“ unterwegs. Anstelle einer kompletten Band hatte sie nur Gitarrist Ingo York und Keyboar­der Reinmar Henschke mit dabei, die neben Saiten- und Tasteninstrumenten noch diverse Drumcomputer und Schlagwerk-Accessoires bedienten. Musikalisch entstand so ein solider Klangteppich zwischen sanftem Swing und etwas härterem Rock, über dem Ulla Meineckes abwechslungsreiche Stimme thronte.

Internet-Gläubigkeit bekommt eine Spitze

„Bin ich zu laut oder leise“, fragt sie singend in einem ihrer Lieder. Die Antwort muss wohl lauten: Sowohl als auch. Denn Ulla Meinecke beherrscht die ganze Bandbreite zwischen der gefühlvollen Jazz-Sängerin und der harten Rock-Röhre aus dem Effeff. Dabei gab sie sich aber so lässig, dass klar wurde: Hier singt eine Könnerin ihres Fachs, die niemandem mehr etwas beweisen muss. 


In ihren neuen Songs, die einen Großteil des Programms ausmachten, nimmt sie beispielsweise die besonderen Eigenheiten der Partner aus jahrelangen Zweierbeziehungen unter die Lupe. Aber auch die Auswüchse der modernen Internet-Gläubigkeit spießt sie auf.

Es ist die Begabung für das Finden und Zeigen von Zwischentönen, die die von Ulla Mei­necke geschriebenen Songtexte so besonders machen. Und andererseits ist da diese Sehnsucht nach speziellen Momenten des Lebens, die sie bei all ihrer Schnoddrigkeit nicht verleugnen kann.

Woher beispielsweise ihre Sehnsucht nach der Weite des Himmels und der Ozeane kommt, das versuchte die im Hinterland in Wallau bei Biedenkopf aufgewachsene Sängerin in einer Zwischenansage zu erklären. Es habe dort in ihrer Heimat zwar idyllische Natur in Form von Wiesen, Hügeln und Wäldern gegeben, Doch in dieser Gegend hätten sich auch Fuchs und Hase gute Nacht gesagt.

Wirkungsvolle Medikamente gegen Weltverdruss

Als Zehnjährige habe sie bei der Verschickung in ein Jugendlager des Kreises Biedenkopf an die Ostsee dann das erste Mal Meeresluft geschnuppert. Nicht umsonst ist das melacholisch-sehnsüchtige Lied „Übers Meer“ von Rio Reiser eines ihrer Lieblingslieder.

Sie sang diesen Song ebenso gekonnt wie „Grapefruit Moon“ von Tom Waits oder „Walking in Memphis“ von Marc Cohn. So stellte sie dem Marburger Publikum einige ihrer Lieblingslieder aus ihrer ganz persönlichen „Notfallapotheke für Musiker“ vor – wirklich wirkungsvolle Medikamente gegen Weltverdruss und Traurigkeit.

In eine andere Kategorie fielen zwei andere Coverversionen. Denn das durch Udo Lindenberg bekanntgewordene gefühlvolle Liebeslied „Bis ans Ende der Welt“ hat Ulla Meinecke schließlich Ende der 70er Jahre selbst mit gedichtet. Udo Lindenberg gab ihr auch als Erster die Chance, ihre Karriere im Musikbusiness zu starten.

Ebenfalls durch einen anderen Künstler – den Songwriter Manfred Maurenbrecher – bekanntgeworden ist die Ballade „Hafencafé“, die auch aus der Feder von Ulla Meinecke stammt und die sie in einer entspannten Version zum Besten gab.

Ihr wohl größter Hit, „Die Tänzerin“, durfte in der Zugabe-Runde nicht fehlen, und so entließ die Sängerin ihre Fans mit einem guten Gefühl in die Marburger Nacht.

von Manfred Hitzeroth

Ingo York (Foto links) und Reinmar Henschke (Foto rechts) waren als Begleitmusiker in der Waggonhalle mit dabei. Fotos: Michael Hoffsteter
 
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