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Die Profis unter den Theateramateuren

Theaterverein Wetter Die Profis unter den Theateramateuren

Der Theaterverein Wetter ist die wohl älteste und ganz sicher professionellste Amateurtheatergruppe im Landkreis. Jetzt steht Bertolt Brechts Klassiker „Das Leben des Galilei“ auf dem Spielplan. Premiere ist am 24. März.

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 Das „Galilei“-Ensemble gruppiert sich für ein Gruppenfoto um Regisseur Jürgen Helmut Keuchel (vorne, Dritter von links).

Quelle: Uwe Badouin

Wetter. Seit Herbst probt das Ensemble des Theatervereins Wetter den „Galilei“. Es ist eines der bekanntesten Stücke des deutschen Dramatikers Bertolt Brecht (1898 – 1956). Galileo Galilei (1564 – 1642) war ein Wissenschaftler der italienischen Renaissance. Nachdem er das neue, von Kopernikus entwickelte Weltbild unterstützte, wonach die Erde um die Sonne kreist, machte ihm die Kirche einen Inquisitionsprozess. Galilei widerrief seine Thesen.

Brecht fasste sein Drama 1938/39 unter dem Eindruck der ersten Kernspaltung. Uraufgeführt wurde „Das Leben des Galilei“ 1943 in Zürich. Heute gehört die Auseinandersetzung um Macht und Wissenschaft zu den modernen Klassikern des deutschen Theaters. 1946 schrieb Brecht in den USA eine zweite Fassung – diesmal unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.

Jürgen Helmut Keuchel, Schauspieler am Hessischen Landestheater, inszeniert den „Galilei“ in Wetter. Er kennt ihn sehr gut, schließlich spielte er den alten Galilei in der Produktion des Hessischen Landestheaters, die im Herbst 2014 Premiere hatte. Auf dieses Konzept, einen jungen und einen alten Galilei auf die Bühne zu schicken, setzt Keuchel auch in Wetter: Dort spielt Rüdiger Clasani den Galileo mit Ende 40, der noch an die Vernunft glaubt. Hans Kaiser übernimmt ab der zweiten Hälfte des Stücks den gealterten, erblindeten Wissenschaftler, der auf sein Leben zurückblickt. Die Idee, zwei Galileis auf die Bühne zu schicken, ist nur konsequent, schließlich umfasst die Handlung eine Zeitspanne von 28 Jahren.

„Wo ist Gott in diesem Weltbild?“

Regisseur Keuchel siedelt das Stück in einer unbestimmten Zeit an. Die Kostüme sind ein Mix aus verschiedenen Epochen und Stilen. Die Bühne selbst bleibt fast leer: Keuchel konzentriert sich in seiner Inszenierung ganz auf das Wort, auf die Auseinandersetzung zwischen dem Wissenschaftler Galilei und der Kirche, die damals fast uneingeschränkte Macht hatte und fürchtete, Galilei könnte mit seinen Ideen den Glauben zerstören. „Wo ist Gott in diesem Weltbild?“, wird Galilei zu Beginn von seinem Freund Sagredo gefragt, nachdem er ihm erklärt hat, dass nicht die Erde im Zentrum des Universums steht und Planeten und Monde nicht an kristallenen Sphären befestigt sind. Sagredo weiß, dass die Kirche nicht zögern würde, Galilei dafür zu verbrennen.

Insgesamt 23 Darstellerinnen und Darsteller im Alter von 9 bis 69 Jahren stehen in Wetter auf der Bühne, sieben davon übernehmen sogar Doppelrollen. Seit Herbst proben sie an dem philosophischen Stück, das große Anforderungen an die Darsteller stellt. Herausforderungen sind sie in Wetter allerdings gewohnt: Seit 1988 wird dort Theater gespielt.

Kein Fan von Brecht, aber von dem Stück

Ein bis zwei Stücke bringen die Theaterenthusiasten seither pro Jahr auf die Bühne der Stadthalle oder Open Air auf dem Klosterberg. Komödien, Krimis und immer wieder anspruchsvolle Klassiker der Theatergeschichte: Brechts „Dreigroschenoper“, Shakespeares „Sommernachtstraum“, Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ und „Hexenjagd“, Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ um nur einige zu nennen. Wer einen Blick auf die Produktionen des Theatervereins Wetter wirft, glaubt den Spielplan eines ganz normalen Stadttheaters vor sich zu haben.

Fast 20 Jahre lang hat Dr. Joachim Hintze als Regisseur die Geschicke des Theatervereins maßgeblich beeinflusst. Für Jürgen Helmut Keuchel ist es inzwischen die neunte Zusammenarbeit mit dem Theaterverein, seit er 2007 Ray Cooneys Komödie „Außer Kontrolle“ in Wetter inszenierte. „Galilei war meine Idee“, sagt Keuchel. Ich bin zwar nicht so ein großer Brecht-Fan, aber dieses Stück liebe ich.“ Zudem, und auch das gilt es in Wetter zu bedenken, braucht man für „Galilei“ ganz viele Darsteller.

„Das Leben des Galilei“ hat am Freitag, 24. März, um 20 Uhr in der Stadthalle Wetter Premiere. Die Spieldauer beträgt etwa zwei Stunden. Weitere Aufführungen sind am 25., 26. März und 31. März sowie am 1. und 2. April. An Sonntagen beginnen die Vorstellungen um 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf im Gardinenstudio Mehring und auf der Internetseite 
 www.theaterverein-wetter.de.

von Uwe Badouin

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