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„Die Leute hinterfragen zu wenig!“

Lisa Fitz in Marburg „Die Leute hinterfragen zu wenig!“

Es ging um Ängste und darum, sie zu überwinden, es ging um Zivilcourage und genaues Hinhören - und um Frauen in High-Heels.

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Lisa Fitz macht Mut. Doch sie gibt sich nicht mit Vordergründigem zufrieden. Sie hinterfragt und prangert an – auch Frauen wie etwa Angela Merkel.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Lisa Fitz bewies bei ihrem Gastspiel im voll besetzten Audimax am Freitagabend mit ihrem Programm „Mut - vom Hasen zum Löwen“ einmal mehr ihre kabarettistische Klasse. Da wechselten sich Kalauer und Kritik schwindelerregend schnell ab, dass manchmal nicht klar war, wo Komik aufhörte und Kabarett anfing.

Dass Lisa Fitz keine ist, die sich vornehm zurückhält, ist bekannt. Sie sagt seit jeher, was sie denkt, schert sich nicht um politisch korrektes Denken oder Sprechen und legt den Finger dahin, wo er ihrer Meinung nach hingehört: auf die offenen Wunden einer Gesellschaft, die sich, wie sie findet, viel zu wenig einmischt.

„Die Leute hinterfragen zu wenig! Ich nenne das pluralistische Ignoranz. Das ist, wenn jeder es nicht versteht, aber sich nicht zu fragen traut. So entstehen im Bundestag ganze Gesetze!“ ruft sie. Besonders leidenschaftlich und ausführlich ärgert sie sich über Angela Merkel. Die nämlich „hat Panzer an die Saudis verhökert, an ein Land, dass im Demokratie-Index auf Platz 160 steht - nur drei Plätze vor Nordkorea!“ Das sei unannehmbar und Merkels Entscheidung „kein Frauen-Mut, sondern Scheiße!“ Dafür bekommt Lisa Fitz Szenen-Applaus, aber sie ist noch längst nicht fertig mit dem Thema, sondern schiebt ganz schnell noch eine persönliche Anmerkung zum Thema „Kriege“ hinterher. „Wissen Sie, wenn man für so ein Programm recherchiert, weiß man hinterher so viel, dass man sich wünscht, man hätte es nicht getan“, sagt sie, nur halb im Spaß und dann greift sie zu ihrer herrlichen Gibson und singt das Lied „Sei wachsam“ von Reinhard Mey. Der habe ihr erlaubt, es zu singen, aber nur, wenn sie jedes Mal das Publikum von ihm grüße, erzählt sie.

Es gibt sie, die leisen Momente in Lisa Fitz‘ Programm - dieses Lied gehört dazu und während sich der ein oder andere Zuhörer noch eine Ergriffenheits-Träne aus dem Augenwinkel wischt, hat die kernige Wahl-Niederbayerin längst schon wieder das Genre gewechselt.

Es folgt ein Volkslied aus ihrer Stammkneipe im Rottal, dass schlagartig die Liedermacher-Stimmung vertreibt und an Oktoberfeste denken lässt. Lisa Fitz bedient sich munter aller Möglichkeiten, auf das hinzuweisen, was ihr wichtig ist - da ist sie sich auch nicht zu schade für Schenkelklopfer und platte Kalauer. Das Konzept geht auf. Ihr Publikum im Audimax ist begeistert, klatscht und johlt, vielleicht auch, weil Lisa Fitz nicht nur kritisch, sondern auch versöhnlich ist.

Eigene Defizite, sagt sie, müsse man auch lernen, als „zeitstabile Schwäche“ hinzunehmen und sich mit ihnen auszusöhnen: „Auch das ist Mut!“ ruft sie aufmunternd ins Auditorium. Mut, so lernen wir, existiert im kleinen, privaten Kontext ebenso wie im großen, gesellschaftlichen und der eine kann ohne den anderen nicht funktionieren.

Und dann wird es nochmal nachdenklich, als Fitz von Rosa Parks erzählt, jener schwarzen Frau, die im Bus nicht aufstand, um einem Weißen Platz zu machen und damit anderen Mut machte, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen.

Lisa Fitz jedenfalls hat den Mut, das zu tun, was sie gerne tut und schert sich ganz offenkundig nicht, ob das passend ist oder nicht. Zum Schluss singt sie „River deep, mountain high“ von Tina Turner, mischt unbekümmert noch eine deutsche Strophe dazu und verlässt unter stürmischem Applaus die Marburger Bühne - auf High Heels, denn „das sind Argumente, gegen die sich ein Mann genetisch nicht wehren kann!“ und die manchmal auch helfen würden, die eigenen Interessen durchzusetzen - da ist Lisa Fitz durchaus nicht heikel.

von Ines Dietrich

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