Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Die Königin des Akkordeons hält Hof

Lydie Auvray im KFZ Die Königin des Akkordeons hält Hof

Die Grand Dame des Akkordeons, Lydie Auvray, war mit ihrem Programm „Musetteries“ am Samstag im ausverkauften KFZ zu Gast. Mit ihrem Trio präsentierte die Französin neben ihren Klassikern auch neue Stücke.

Voriger Artikel
Junge Talente faszinieren mit vielseitigem Programm
Nächster Artikel
Clueso-Karten binnen weniger Minuten vergriffen

Die Französin Lydie Auvray begeisterte ihre Fans mit alten und neuen Stücken.

Quelle: Jouka Röhm

Marburg. Das deutsch-französische Trio – neben Auvray standen Gitarrist Markus Tiedemann und Pianist und Percussionist Eckes Malz auf der Bühne – verstand sich hervorragend, harmonierte bei Tango, Walzer, Bossa Nova und auch einigen Weltmusikstücken.

Nur das Akkordeon wollte manchmal nicht so, wie es die Künstlerin mit der roten Mähne gerne wollte. Bei den ersten Tönen ihres Tango-Klassikers mit dem Titel „Das bisschen allein sein kann ich auch ohne euch“ funktionierte eine Taste ihres Akkordeons nicht. Egal, Auvray und ihre zwei Begleiter fingen einfach noch mal von vorne an.

Mit vielen flotten Sprüchen nahm die Entertainerin das Marburger Publikum schnell für sich ein. 170 Zuhörer füllten das bestuhlte KFZ bis zum letzten Platz aus – darunter viele Fans der Musikerin. Die spielte mit ihrem Trio viele Songs ihrer aktuellen Platte „3 Couleurs“. Mit den „drei Farben“ meint Auvray die Klangfarben ihres Akkordeons zusammen mit Klavier und Gitarre.

Aber auch einige reine Akkordeonstücke von ihrem einzigen Soloalbum „Pure“ gab die Französin zum Besten. Und immer wieder treibende Stücke im 5/4- oder 7/8-Takt wie „Cous Cous“ oder „Septante deux“.
„Ich habe ein Faible für krumme Takte“, erklärt Auvray auf der Bühne. Im typischen Walzertakt präsentiert Auvray dann natürlich noch „ihren“ Hit „Accordéon“. Das Walzerstück stammt aus der Feder von Serge Gainsbourg. „Schade, dass ich das nicht selbst geschrieben habe“, bedauert Auvray mit einem verschmitzten Lächeln. Dabei hat die Frau mit fast 40 Jahren Bühnenerfahrung genügend andere Lieder entstehen lassen.

Weltmusik von Mexiko bis Martinique

Sie sinniert in „Chanson d’amour“ über die Unmöglichkeit, kitsch-befreite Liebeslieder zu schreiben, drückt in „Das Meer“ ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat in der Normandie aus und singt Lieder über Familie und Freunde. Das Stück „Else“ hat sie für ihre Freundin Elke Heidenreich geschrieben. Dazwischen zeigt das Auvray-Trio ganz neue Songs mit dem typischen „lydiesken“ Sound wie den Tango „Macho Picchu“.

Aber auch mit „schweren“ Themen setzt sich die Tango-Königin auseinander: In „Complainte“ thematisiert die Sängerin die Atom-Katastrophe in Fukushima. Zum Schluss spielen die drei Musiker Weltmusikstücke, die die Zuhörer klanglich in die amerikanischen Südstaaten, nach Mexiko oder nach Martinique entführen, wo Auvray lange lebte. In Mexiko war Auvray dagegen noch nicht. Aber: „Vielleicht war ich im früheren Leben mal ein Maya – oder ein Lama. Und mein Haar ist der Rest von der Wolle.“

Mit ihren vielseitigen Kollegen Tiedemann – an Gitarren, Bass und Mandoline – und Malz – an Keyboard, E-Schlagzeug und Percussions – hatte die Vollblutmusikerin die richtige Begleitung für ihr facettenreiches Repertoire. Und auch wenn das Knopfakkordeon manchmal streikte, die drei Musiker harmonierten einfach darüber hinweg. So durfte die Frau mit der „Quetschkommode“ nach einem Stück verschmitzt feststellen: „Mir ist ein Ton hängengeblieben, aber das haben Sie gerade gar nicht bemerkt.“

von Jouka Röhm

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr