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Die Geschichte einer doppelten Liebe

Lesung von Joseph Zoderer Die Geschichte einer doppelten Liebe

Ein Mann zwischen zwei Frauen – das ist der Klassiker schlechthin. Um die Liebe und ihre Möglichkeiten dreht sich Joseph Zoderers Roman „Die Farben der Grausamkeit“. Am Sonntagmorgen las der Autor im Café Vetter.

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Joseph Zoderer während der Lesung im Café Vetter.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. 1984 bekam Joseph Zoderer den Marburger Literaturpreis für seinen Roman „Die Walsche“. „Seitdem sind 32 Jahre vergangen, und das Werk Zoderers ist beträchtlich gewachsen“, erklärte Ludwig Legge von der Neuen Literarischen Gesellschaft. Im hellen Sommeranzug mit Hut betrat der 80-jährige Schriftsteller das Podium – ein eleganter, etwas zurückhaltender, aber freundlicher Herr. Sofort begann er mit der Lesung.

„Die Farben der Grausamkeit“ erzählt die Geschichte eines Mannes zwischen zwei Frauen. Der Protagonist Richard will sich von der Liebe zu der viel jüngeren Ursula befreien. Er kauft ein Bauernhaus in den Bergen, das er für seine Frau Selma, die er immer noch liebt, und die beiden Söhne umgestaltet. Aber das gelingt nicht recht, Richard führt ein Doppelleben zwischen dem Familienidyll in den Bergen und der Liebesbeziehung in der Stadt.

„Ich bin jetzt ein alter Mann“

In lebendiger, oft poetischer Sprache erzählt Zoderer von den Möglichkeiten der Liebe, von Leidenschaft, Lügen, Zweifeln und Verrat. Dabei blickt er tief in die Seelen der Figuren hinein und beschreibt vor allem die Zerrissenheit der Hauptfigur zwischen zwei Welten.

Nach der Lesung erzählte der Autor ein wenig von sich und seiner Arbeit. „Ich bin jetzt ein alter Mann“, sagte er schmunzelnd. „Im November zu meinem 80. Geburtstag hat mir meine Geburtsstadt Meran die Ehrenbürgerschaft verliehen.“ Auf die Frage, wie die literarische Situation in Südtirol sei, wo Zoderer heute wieder lebt, erklärte der Schriftsteller, er fühle sich nicht als südtiroler, sondern als internationaler Autor. Auf die Frage, was ihn zu dem Romanthema getrieben habe, antwortete er: „Das schöpfe ich aus lebensgereiften Erfahrungen.“

Joseph Zoderer wurde 1935 in Meran geboren und lebt als freier Schriftsteller in Bruneck. Er hat Rechtswissenschaft, Philosophie und Psychologie in Wien studiert. Von ihm sind unter anderem die Romane „Das Glück beim Händewaschen“ und „Die Walsche“ erschienen, „Die Walsche“ wurde auch erfolgreich verfilmt. Für sein Werk bekam Zoderer zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem die Ehrengabe der Weimarer Schillerstiftung, den Hermann-Lenz-Preis und den Walther-von-der-Vogelweide-Preis.

von Bettina Preussner

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