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Die Faust in der Luft, das Lied im Ohr

Ignite spielte im ausverkauften KFZ Die Faust in der Luft, das Lied im Ohr

Ein Weltrekord auf dem Dirt-Bike, Wahlfang auf den Faröer-Inseln und Hymnen an das Leben: über einen facettenreichen Abend mit Ignite im KFZ.

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Ignite unter Strom: Sänger Zoltan „Zoli“ Téglás (rechts) und Bassist Brett Rasmussen spielen vor ausverkauftem Haus im Kulturladen KFZ. Beim nächsten Besuch wollen die US-Amerikaner ein neues Album präsentieren.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Draußen hat es merklich abgekühlt, der Regen fällt schon seit Stunden ohne Unterlass. Passend zum „Schmuddelwetter“ gibt es nun auch noch ein paar lange Gesichter vorm KFZ. „Ausverkauft“ steht auf einem Schild über dem Eingang, aus dem ein dumpfes Hämmern dringt. Drinnen toben bereits die Kasseler „Today Forever“ über die Bühne. Sänger Christian Besteck strahlt übers ganze Gesicht und feuert die versammelte Hardcore-Gemeinde an, die dicht gedrängt die Köpfe zum Takt bewegt.

Nur wenig später sieht man beim Blick durchs Publikum nur noch Finger und Fäuste in der Luft. Ignite-Sänger Zoltan „Zoli“ Téglás, dem die Hände entgegen gestreckt werden, kann das alles nicht so richtig nachvollziehen. Schließlich ist es mittlerweile neun Jahre her, dass seine Band ihr letztes Album (Our darkest days) veröffentlicht haben. Dem Sänger, der seine Kopfstimme in äußersten Höhen bewegt, scheint es eher unangenehm zu sein, auch an diesem Abend kein fertiges Album hinter der provisorischen Verkaufstheke im ­Foyer präsentieren zu können.

Melodisches Gitarrenspiel und Mitsingparts

Den meisten Besuchern scheint es heute aber sowieso nicht darauf anzukommen, unbedingt eine neue Platte mit nach ­Hause nehmen zu können. Sie sind froh mit den „alten“ Hits wie „Let it burn“ oder „Bleeding“. Gemeinsam bilden sie einen Chor aus hunderten Stimmen, der die Texte aus voller Kehle singt. Und dann kommt sie doch: die Aussage, die jedes echte Fan-Herz höher schlagen lässt: „Das neue Album ist bereits fertig“, sagt Téglás. Beim nächsten Besuch in Marburg gebe es dann die neuen Songs in fertiger Aufmachung – versprochen.

Als Vorgeschmack spielt die Band aus Orange County auch gleich ein paar der neuen Lieder. Und schon jetzt steht fest: Ignite bleiben sich treu. Melodisches Gitarrenspiel und Mitsingparts wechseln sich ab. Die US-Amerikaner haben in ihrer über 20-jährigen Bandgeschichte scheinbar nichts an Enthusiasmus und Liebe zur Musik verloren. Und dann gibt es ein paar Tipps für all diejenigen, die sich nun in den Anfang Zwanzigern befinden, also der Zeit, in der Téglás seine Musikkarriere begann.

Er selbst habe damals zu viel gearbeitet und zu wenig genossen. Schließlich gebe es aber nur dieses eine Leben, die eine Möglichkeit, sich für die richtigen Menschen zu entscheiden. Der Pathos endet in den ersten Takten zu „Live for better days“, das das Publikum als Antwort in die Nacht schmettert. Neben den persönlichen Geschichten, etwa die von Tourgitarrist Kevin Kilkenny, der als Weltrekordhalter im Guiness-Buch verzeichnet ist – er stellte einen Schnelligkeits-Weltrekord im Dirt-­Bike-Fahren (211,52 Kilometer pro Stunde) auf – geht es der Hardcore-Band vor allem um politische Themen.

Alle Mitglieder sind bei der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd aktiv, die sich besonders beim Kampf gegen den Wahlfang engagiert. So macht Téglás auf das alljährliche Töten von Grindwalen, Delphinen und Kleinwalen auf den Faröer-Inseln aufmerksam, einem in seinen Augen unmenschlichen Abschlachten von Muttertieren mit ihren Jungen.

Auch spricht der ungarisch-stämmige Téglás über Flüchtlinge, die ihre Heimat aus Angst um ihr Leben verlassen mussten. Der Band geht es um klare Stellungnahmen, die sich auch in der Musik widerspiegeln. Zwischen den tiefen Schlücken aus dem Saftkarton prangert der Sänger Missstände an und schont auch seine Stimme in keiner Sekunde. Am Ende des Abends gibt es dann wieder ein paar Menschen mehr mit einem Band-Shirt am Körper und einem Ignite-Lied im Ohr.

von Dennis Siepmann

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