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Die Elfe aus dem Norden

Guðrið Hansdóttir Die Elfe aus dem Norden

Ein Kritiker schrieb einmal über Guðrið Hansdóttir, ihre Stimme bringe Steine zum Schmelzen. Am Donnerstag faszinierte sie ihre Fans im ausverkauften KFZ.

Marburg. Die kleine Gruppe der Färöer-Inseln liegt weit draußen im Nordatlantik, halbe Strecke zwischen Schottland und Island. Die Winter sind lang und stürmisch, Schnee gibt es selten. Niemand der Gäste im voll besetzten KFZ am Donnerstagabend war jemals dort, immerhin kannte eine Zuschauerin den Namen der Hauptstadt Tórshavn. Dafür gab es direkt eine Flasche Champagner von der Band.

Die Sängerin Guðrið Hansdóttir faszinierte die Zuhörer mit klarer Stimme und akustischer Gitarre, begleitet wurde sie von E-Gitarre und dezenten Percussions.

Ihre Songs bewegen sich zwischen Folk und melancholischem Pop und lassen, typisch für viele Künstler aus dem hohen Norden, mit langsamen Sounds und viel Hall die Weite und Ruhe der kargen Landschaften ihres Landes erahnen. Lyrische Inspiration holt sie sich bei Heinrich Heine, dessen Texte sie teilweise für ihre Songs nutze. Mit beeindruckender Stimmdynamik verzauberte sie ihr Publikum, meist in Englisch und Färöisch singend. Hansdóttirs Lieder handeln von den Menschen und der Natur auf den einsamen Eilanden. Sie singt von Nebel und Liebeskummer, vom Ozean, der alle Männer eines Dorfes verschluckte.

Ihr Debütalbum wurde auf den Färöer-Inseln direkt als Bestes Album einer weiblichen Künstlerin ausgezeichnet. Ihr unter Eigenregie veröffentlichtes zweites Album „The Sky is open“ wurde das meistverkaufte Album auf den Färöer Inseln. Gut, dass ist relativ zu sehen, hat ihre Heimat gerade mal zwei Drittel der Einwohner von Marburg. Zwischen ihren Songs wurden die Zuschauer immer wieder mit reichlich Anekdoten und Informationen über die Inseln versorgt. So kennt sie ihren Drummer seit ihrer frühen Kindheit, man lernt Deutsch in der Schule und es gibt deutlich mehr Schafe als Menschen.

Das Hansdóttirs musikalische Einflüsse sehr breit sind, sie stets offen für Neues ist, spiegelt sich in der Vielseitigkeit ihrer Stücke. Neben ruhigen Balladen, stimmte sie immer wieder Songs mit deutlichen Einflüssen von Country an. Wenn Hansdóttir ihr „neues Spielzeug“ anwirft, zuckt es einem sogar in den Beinen. Das Omnichord, eine Art E-Harfe aus den frühen Achtzigern, hat einen integrierten Drum-Computer, der zusammen mit seinem leicht verzerrtem Restsound waschechten Elektropop à la Owen Ashworth produziert.

Nach knapp zwei Stunden gab es als zweite und finale Zugabe noch eine brillante Coverversion von Lana del Reys Hit Video Games. Danach verschiedete sich die Sängerin unter tosendem Beifall.

von Jan Bosch

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