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Die Ehe, das Fernsehen und der große Loriot

Theater Die Ehe, das Fernsehen und der große Loriot

Der Dramatische Verein Rauischholzhausen muss mangels Auftrittsmöglichheiten ausweichen. Mit dem Saal Raabe in Mardorf hat er eine tolle Spielstätte gefunden. Für die Loriot-Sketche ist er ideal.

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In „Die Heim-OP“ machte sich Loriot schon früh über Kostensenkungsprogramme in der Medizin lustig. Hier schlüpft das Ensemble in OP-Kittel.Foto: Mareike Bader

Mardorf. „Gott sei Dank müssen wir heute Abend nicht in diesen blöden Kasten gucken.“ Diesem Zitat aus Loriots Sketch „Fernsehabend“ folgten die Besucher der Premiere des Loriot-Abends im Theatersaal Raabe in Mardorf. Doch statt eines kaputten Fernsehers gab es unterhaltsames Laien-Theater zu sehen, das bewies, dass der Humor des großen Komikers auch drei Jahre nach seinem Tod einfach herrlich ist.

„Die Genauigkeit hinzukriegen, war sehr schwer“, erzählte Regisseurin Christine Reinhardt im Gespräch. Die Schauspielerin war bis zum Sommer festes Ensemblemitglied des Hessischen Landestheaters. Der Loriot-Abend ist ihre vierte Regiearbeit mit dem Dramatischen Verein Rauischholzhausen.

Gleich zu Beginn versetzten Pit Metz und Martina Schremb das Publikum mit Loriot-Zitaten in die richtige Stimmung: Von „Das Bild hängt schief“, „Ein Klavier, ein Klavier“, „Früher war mehr Lametta“ bis zum Jodeldiplom. In zwei Themenblöcken wurden dann Sketche auf die Bühne gebracht, die vom „Nummerngirl“ Brigitte Zimmer angekündigt wurden. Dazwischen lasen Pit Metz und Martina Schremb Anekdoten von Vicco von Bülow aus der Ich-Perspektive vor und gaben so einen Einblick in seine Biografie und sein Denken.

Die beiden wirkten aber auch bei den Sketchen mit. In „Die Garderobe“ wurden kurzerhand die Rollen umgedreht. „Wir machen das heute mal ganz anders“, kündigte Metz an und warf sich ein rosafarbenes Kleid über. Im weiteren Verlauf zog er eine Perücke und hohe Schuhe an und trug auch noch roten Lippenstift auf. Sich dabei allerdings dermaßen zu verschmieren, war schon großes Kino.

Grandios war der völlig inhaltsleere Blick von Kai Hofmann als Hermann, der bei seinem „Feierabend“ einfach nur sitzen will. Und zwischen all den bunten Szenen lief dann auch noch Wolfgang Heinrich als Opa Hoppenstedt über die Bühne. Bei „Der Wähler fragt“ trat er erneut als renitenter Greis auf und Amöneburgs Bürgermeister und SPD-Mitglied Michael Richter-Plettenberg spielte den Sozialdemokraten Professor Brommert.

Der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Kirmessaal in Mardorf passte wunderbar zu den feinen Gesellschaftsbeobachtungen Loriots. Das Programm erfüllte alle Erwartungen. Irene Grün verlispelte sich bei ihrer Fernsehansage zum englischen Krimi fabelhaft und gab mit ihrem Spiel der Szene ihre eigene Note. Natürlich war auch der Streit um das perfekte Frühstücksei dabei.

Weitere Aufführungstermine im Theatersaal Raabe in Mardorf sind am Freitag und Samstag, 17. und 18. Oktober, jeweils ab 20 Uhr, am Sonntag, 19.10., ab 18 Uhr. Die letzte Aufführung findet am Mittwoch, den 29. Oktober um 19.30 Uhr im Bürgerzentrum in Dreihausen statt.

von Mareike Bader

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