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Die Berliner Revolution beginnt in Feuerland

OP-Buchtipp: Titus Müller: „Berlin Feuerland“ Die Berliner Revolution beginnt in Feuerland

Der historische Roman von Titus Müller begibt sich auf die Spuren der Unruhen im März 1848.

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 mit dem Sterben
Quelle: Blessing Verlag

Feuerland liegt nicht nur am Ende der Welt in Südamerika, sondern der Name bezeichnete auch ein Berliner Industrieviertel am Rande der Stadt, dessen rauchende Schlote Mitte des 19. Jahrhunderts sichtbares Zeichen der Industrialisierung waren.

Dort lebten aber auch die Ärmsten der Armen, für die die Fabrikarbeit täglich bis zu 16 Stunden lang eine Tortur war, die kaum das Nötigste zum Überleben einbrachte.

Durch dieses durch Typhuserkrankungen und Hungersnöte gebeutelte Viertel führt der aufstrebende junge Tausendsassa Hannes bei Führungen reiche Damen der Gesellschaft, die das Abenteuer suchen und sich ein wenig schaudern wollen.

Liebe im Schatten des Umbruchs

Einer dieser Touren schließt sich auch Alice an, die als Tochter des Kastellans des Berliner Schlosses Zeit ihres Lebens ­Einblicke in das Hofleben gewonnen hat.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Menschen beginnt am Vorabend der 1848er-Revolution, die sich in Preußens Hauptstadt Berlin gegen die Monarchie richtet und Presse- und Versammlungsfreiheit sowie weitere demokratische Grundrechte erreichen will.

Der 39-jährige Titus Müller hatte in „Der Kalligraph des Bischofs“ bereits 2002 seinen ersten historischen Roman verfasst. In seinem neuen Roman „Berlin Feuerland. Roman eines Aufstands“ gelingt es ihm, äußerst anschaulich den Verlauf der Berliner Märzrevolution zu schildern – und zwar mit Detailgenauigkeit und einer Menge Zwischentönen.

So werden beispielsweise die Gewissensnöte des Berliner Polizeipräsidenten Julius von Minutoli – einer historischen Person – geschildert, der bei der Niederschlagung des Aufstandes und der Aufrechterhaltung der Ordnung möglichst kein Blut vergießen möchte.

Einfühlsame Psychogramme der Protagonisten

Zugleich hat der hohe Beamte aber auch Sympathien für die Forderungen der Aufrührer nach mehr Demokratie. Eine fiktive Person ist ebenso wie Alice und Hannes der Revolutionär Kutte, für dessen überbordende gegen die Obrigkeit gerichtete Energie der Autor auch großes Verständnis erweckt.

Von Opportunisten zu Hardlinern, von Opfern zu Tätern ist es manchmal nur ein kurzer Weg. Titus Müller schafft es, einfühlsame Psychogramme der Protagonisten zu entwickeln.

Eine längere Abhandlung über den realen historischen Hintergrund und eine kurze Literaturliste beschließen dieses informative und kurzweilige Buch.

  • Titus Müller: „Berlin Feuerland“, Blessing Verlag, 480 Seiten, 19,99 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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