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Die Begeisterung reißt nicht ab

Poetry Slam für Einsteiger und Profis im KFZ Die Begeisterung reißt nicht ab

Der Poetry Slam im KFZ ist die zweitälteste Bühne dieser Art in Hessen. Nur Frankfurt war schneller. Marburg hat sich in dieser Zeit zu einer Poetry-Slam-Hochburg entwickelt.

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Veranstalter Lars Ruppel und Bo Wimmer (von links) sind zufrieden. Mit 280 Zuschauern war das KFZ inklusive Bühne gefüllt.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Was tun, wenn die Welt immer verrückter wird? Wenn die „ach so kraftstrotzende Jugend heutzutage auf alt gemachte Schuhe im Wert eines Einfamilienhauses trägt“? Wenn die nur drei Jahre jüngere Freundin auf eine kurze Belehrung über die Musikgrößen der 60er Jahre nur trocken meint: „Naja, das is ja mehr deine Jugend“? Wenn das Maskottchen von Bauprojekten der Deutschen Bahn, „Max Maulwurf“, mehr Likes auf Facebook hat als die meisten Menschen?

Am besten drüber schreiben, über den täglichen Wahnsinn und die vielen lustigen, traurigen und nachdenklich stimmenden Eigenheiten der modernen Zeit. Eben das tun Poetry Slammer viel und gerne. So gerne, dass sich einige davon nun bereits zum 75. Mal im KFZ einfanden, um unter den wachsamen Augen des deutschen Meisters Lars Ruppel und der Moderatoren-Legende Bo Wimmer die Gäste mit ihren Textbeiträgen zu begeistern.

„Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass hier in Marburg eine so große und aktive Slamerszene besteht“, meinte Ruppel und ergänzte: „Nirgendwo sonst gibt es so viele landesweit bekannte Poeten in Hessen und nach Frankfurt ist der Marburger Slam mittlerweile auch der älteste des Landes.“

Der Grund für den beständigen Erfolg der Veranstaltung im KFZ? „Naja, Bo und ich machen natürlich auch immer eine andere Moderation, also das Drumrum spielt schon auch eine Rolle, denke ich. Aber vor allem gibt es eben immer neue Gesichter auf der Bühne, da wird es nie langweilig“, sagt Ruppel.

Texten in kürzester Zeit

Zu den Neuzugängen des Jubiläums-Abends gehörten die erst fünfzehnjährige Schülerin Karo Renner und die Studentin Melanie Bieker. Erstere trat schon viermal in ihrem Heimatort Frankenberg auf, wo sie auch zur Schule geht, während es für Melanie Bieker die erste Slam überhaupt war. Sie war am Mittag in einem Workshop von Lars und habe da gewonnen. „Also hieß es, innerhalb von ein paar Stunden einen Text fertig zu machen und ab auf die Bühne. Viel spontaner geht nicht mehr“, erklärte sie sichtlich aufgeregt.

Die Gäste dürften insgesamt routinierter gewesen sein, viele sind treue Fans der Marburger Slam-Szene, wie etwa Psychologiestudentin Julia Hoffmann. „Mir gefällt das einfach total gut, besonders Marvin Weinstein.“ Der schaffte es zwar tatsächlich über die Punkterunde bis in das Finale, musste sich dort aber JeyJey Glünderling mit seinem Stück über die Unannehmlichkeiten von Frankfurter Wohnungen in Gleisnähe geschlagen geben.

Der Sieger dazu: „Ich hab‘ 99 Probleme. Und alle sind die Züge.“ Wenn er gerade keine Slamtitel gewinnt, arbeitet Glünderling in einem Museum in der Mainmetropole, auf Slams tritt er immerhin schon seit drei Jahren auf. „Das ist einfach das geilste Gefühl, wenn du die Leute zum Lachen bringst und dann noch deinen Konkurrenten zeigen kannst, wo‘s lang geht“, meinte Glünderling grinsend.

von Marcus Hergenhan

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