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Die Ballalalade – gar nicht fade

Marburger Lyrikkompanie Die Ballalalade – gar nicht fade

Fräulein Kunigunde trifft auf Husarenschwadrone, die Made auf den Steuerberater und das Runde, das ins Eckige muss, ist auch dabei – darauf darf sich das Publikum gerne einen Reim machen.

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Kompanie-Chef Jürgen Helmut Keuchel (von links) beobachtet seine Mitstreiter Carsten Beckmann, Stefan A. Piskorz und Peter Rollenske beim „Heideröslein“-Trio.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin.“ Goethe. Der Fischer. Ein Balladen-Programm. Wer jetzt seufzt, sich mit mehr oder minder stark ausgeprägtem Grausen an die Schulzeit erinnert und den Besuch bei der „Lyrikkompanie“ zu verweigern gedenkt, dem sei geraten: Halte ein! Allein schon die Tatsache, dass Jürgen Helmut Keuchel, Stefan Piskorz, Carsten Beckmann und Peter Rollenske das Ganze einen „Ballalaladenabend“ nennen, lässt vermuten, dass es gar zu trocken doch nicht zugeht. Ganz im Gegenteil. „Walle, walle, manche Strecke“, sowieso. Und dabei darf sogar mit Lachtränen gerechnet werden.

Denn natürlich kommt der Zauberlehrling nicht einfach so daher. Er berlinert. Er lädt, wo es mit dem Wasser so prima läuft, eine Dame aus dem Publikum in die Badewanne ein. Und er gebraucht Kraftausdrücke, die man im Original vergeblich sucht. Und wer Stefan Piskorz in dieser Rolle bereits hinreißend findet, der muss erst einmal bis zum Ende des Programms warten, wenn er in Goethes Ballade vom Fischer als dessen „Liebste“ auftritt. Im Bikini-Oberteil. Und Jürgen Helmut Keuchel macht als Fischer im Ostfriesennerz eine ebenso gute Balladen-Figur wie als „Macky Messer“.

Der rechte Barbier sächselt

Apropos Messer: Es wird Wurst im Publikum verteilt, womit das Programm in der Abteilung Kulinarisches wäre. Carsten Beckmann muss eine Fahne essen und spricht in der „Ballade vom menschlichen Bauch“ als eben der zu uns. Von der Sahnetorteneinflugschneise in den Strafraum: Peter Rollenske trägt Stollen für Ringelnatz‘ Fußball-Ballade und singt vom kleinen Unglückswurm.

Immer wieder gibt es auch ganz ungebrochen und quasi klassisch melancholische Momente. Aber natürlich wäre die Lyrikkompanie nicht die Lyrikkompanie, wenn „Der rechte Barbier“ nicht sächseln würde oder die „Zwei Menschen“ die im Text erwähnte Peitsche nicht auch auf der Bühne schwingen würden („ja, zieh mich noch bisschen am Halsband!“).

„Bei uns müssen Sie gar nicht ins Kino gehen“, scherzte Jürgen Helmut Keuchel ob der offensichtlichen Anspielung. Statt 50 Grau-Stufen gibt es ein buntes Potpourri mit über 30 Balladen, in dem neben den gewissermaßen üblichen Verdächtigen auch eine mörderische Schreibmaschine und ein verliebter Computer ihren Auftritt haben und das rote „Röslein auf der Heiden“ zum weißen „Höslein unterm Kleide“ wird. Ja, die Ballalalade. „Wenn die fad ist: schallalalade“, heißt es zu Beginn des Programms. Keine Sorge. Langeweile? In keiner Zeile! Das Programm ist ‘n Gedicht, versäumen Sie es nicht.

  • „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ ist am 8. März erneut im „Szenario“ (Auflauf, Steinweg) zu sehen, Beginn ist um 19.30 Uhr. Kartenbestellungen unter der Rufnummer des Auflaufs: 06421 / 681343.

von Nadja Schwarzwäller

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