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„Die Aufgabe eines Stadtmuseums“

Haus der Romantik „Die Aufgabe eines Stadtmuseums“

Nicht Dichter und Denker, sondern Handwerker und Dienstmädchen stehen im Mittelpunkt der jüngsten Ausstellung im Haus der Romantik.

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Zu der „Marburger Alltagsleben im 19. Jahrhundert“ im Haus der Romantik ist ein Katalog erschienen.

Marburg. Viel los im Haus der Romantik: Dicht gedrängt saßen die Besucher bei der Ausstellungseröffnung am Freitag im Foyer. Die ehrenamtliche Stadträtin Dr. Marlis Sewering-Wollanek betonte: „Wieder einmal übernimmt das Haus der Romantik die Aufgabe eines Stadtmuseums, das wir nicht haben.“ Sie würdigte das Engagement der Professoren Marita Metz-Becker und Siegfried Becker sowie den Studierenden des Instituts Europäische Ethnologie der Philipps- Universität, die die Ausstellung erarbeitet haben.

Professorin Metz-Becker wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass die Arbeit für die Studierenden nicht einfach gewesen sei,denn in den Archiven finde sich über das Alltagsleben recht wenig. Das 19. Jahrhundert sei insbesondere in Hessen das Zeitalter des Pauperismus gewesen, eine Zeit der Verelendung und des Armutsalkoholismus. „Zeitweise gab es mehr Branntweinbrennereien als Bäckereien in Marburg“, erläuterte sie. Professor Becker sagte, dass wir vielfach ein falsches Bild vom 19. Jahrhundert hätten, oft seien es nostalgische Bilder von Romantik und heiler Welt. „Wir wollten ganz bewusst einen anderen Blick auf das Jahrhundert werfen“, betonte er.

Die Studentin Lea Diehl, die an dem Projekt beteiligt war, sagte, es sei nicht leicht gewesen, die Spuren des Alltäglichen zu entdecken. Dennoch seien sie in den Archiven fündig geworden, wo sie Berichte von Aufständen, Beschwerden, Eingaben und private Briefe gesichtet hätten. „Wir zeigen hier nur Fragmente“, erläuterte sie. „Dennoch lassen wir die Zeit wieder aufleben.“ Vielfältig und anschaulich ist die Ausstellung.

Auf Schautafeln sind verschiedene Themen aufgearbeitet: Das Leben der Dienstmädchen, Handwerk und Kleinhandel jüdischer Familien, Feste und Märkte, Arrest und Strafe, der Alltag der Studenten und der Kinder. Zur Illustration wurden Exponate aus dem Heimatmuseum Oberrosphe und dem Marburger Museum für Kunst- und Kulturgeschichte hinzugezogen. Kinderspielzeug, Geschirr, Schultafeln, Geburtszangen und Porträts können in Vitrinen bewundert werden.

  • Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 13 und 14 bis 17 Uhr.

von Bettina Preussner

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