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Die Angst geht um

Symposium am Hessischen Landestheater Die Angst geht um

Der einsame Mensch der Moderne ist ohne Angst nicht denkbar, sagte der dänische Philosoph Søren Kierkegaard einst. Sie scheint unser ständiger Begleiter. Doch ist das überhaupt schlimm?

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Angst-Experte Professor Dr. Lars Koch führte am Landestheater in das Thema ein.

Quelle: Maik Dessauer

Marburg. Am Freitag startete am Hessischen Landestheater in Anlehnung an das diesjährige Spielzeitmotto das interdisziplinäre Symposium „Angst. Haben – Nutzen – Kosten“. In Workshops, Vorträgen, Tischgesprächen, Podiumsdiskussionen, Installationen, Performances und natürlich in Theaterstücken sollte an zwei Tagen der Frage nach der Rolle der Angst und ihren Auslösern in der heutigen Gesellschaft nachgegangen werden.

Eröffnet wurde das Wochenende durch einen Vortrag des Dresdner Medienwissenschaftlers Professor Dr. Lars Koch, der über die historische Entwicklung kollektiver Ängste und die Interdependenz anthropologischer, sozialer und politischer Momente bei der Ausformulierung von Angstgefühlen sprach.

Hierbei ging er auf Themen wie moderne mediale Berichterstattung ein, welche den Konsumenten täglich mit Katastrophen, Armut und menschlichen Tragödien konfrontiert und somit zunehmend ein Denken in „Worst-Case-Szenarien“ begünstige. Auch die Angst vor Epidemien diskutierte Koch: „Gesundheit bedeutet heute nur noch, dass Krankheiten noch nicht von Potenzialität in Aktualität umgeschlagen sind.“

„Ambivalenz des Moments Angst“

Kollektive Angst hat sich laut Koch mittlerweile gar der heimischen vier Wände bemächtigt, wie er durch das Geschäftsmodell „Angst“ und den daraus resultierenden Markt für Sicherheitsfirmen und Panic Rooms zu erklären versucht.
Doch Koch fand auch beruhigende Worte, als er im Publikumsgespräch auf die „Ambivalenz des Moments Angst“ zu sprechen kam, welches „auch produktiv genutzt“ werden könne, da Angst auch ein bedeutender Bestandteil von Selbsterhaltung sei.

Mit seinem Vortrag gab Koch einen umfassenden Überblick über die Themen des Wochenendes. Neben der kurzfristig eingeschobenen Vorstellung von „Frühlings Erwachen“ am Freitag, mehreren interaktiven Workshops zu Erzeugung und Umgang mit Angst sowie weiteren Vorträgen renommierter Professoren, lief am Samstagabend als abschließender Höhepunkt des Symposiums die Premiere des an Fassbinders Film orientierten Stückes „Angst essen Seele auf“ (die OP berichtete).

Das Symposium war eine Kooperation zwischen dem Landestheater, der Hessischen Theaterakademie, der Goethe-Universität Frankfurt und der Philipps-Universität Marburg, und stellte nach dem Diskurs zum Thema „Gewalt“ im Jahr 2013 die zweite interdisziplinäre Zusammenarbeit dieser Art dar.

von Maik Dessauer

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