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Dichter, Frauenheld, Schmarotzer

Klaus Modick: „Konzert ohne Dichter“ Dichter, Frauenheld, Schmarotzer

Klaus Modick ist mit seinem Künstlerroman „Konzert ohne Dichter“ ein erfolgreicher Bestseller gelungen. Kürzlich las er auf Einladung der „Kulturellen Aktion – Strömungen“ im TTZ.

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Klaus Modick stellte im Technologie- und Tagungszentrum seinen Bestseller „Konzert ohne Dichter“ vor.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Was bringen Bildungsbürger mit dem Lyriker Rainer Maria Rilke in Verbindung? Wohl die „Duineser Elegien“ oder die sogenannten Dinggedichte. Im Roman „Konzert ohne Dichter“ legt Autor Klaus Modick den Fokus jedoch nicht auf Rilkes Werk, sondern auf den Menschen, der hinter den Gedichten steht.

Und was er hinter der Lyrik gefunden hat? Vor allem menschliche Abgründe! Am Dienstag gewährte der 63-jährige Schriftsteller aus Oldenburg einen Blick in die Schluchten von Rilkes Wesen – es ging tief hinab.

Modick las zwei Kapitel des Romans und das Publikum im Technologie- und Tagungszentrum Marburg war mucksmäuschenstill. Man hätte eine Nadel fallen hören können. „Konzert ohne Dichter“ entführt den Leser in die berühmte Künstlerkolonie Worpswede um 1900.

Elegant, eloquent aber keine Schönheit

Modick erzählt die Entstehungsgeschichte eines der berühmtesten Gemälde der Jugendstilzeit – Heinrich Vogelers „Das Konzert“. Dabei stehen insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen der berühmten Künstler im Vordergrund, die sich zeitweise in der Kolonie aufhielten. Vor allem liegt der Fokus aber auf der Freundschaft zwischen Vogeler und Rilke, in der sich im Verlauf des Buches mehr und mehr Risse abzeichnen.

Auch Rilkes Anziehungskraft auf Frauen thematisiert Modick: „Ich lehne mich nicht zu sehr aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Rilke keine Schönheit war. Aber er war elegant, eloquent und  fähig, seine Emotionen und die seiner Mitmenschen auf Papier zu bringen. Das imponierte den Damen!“

Außerdem hob Modick Rilkes chauvinistisches Verhalten gegenüber seiner Ehefrau sowie den „Schmarotzer Rilke“ hervor. „Er war ein elender ‚Schnorrer‘, der so manchen Großbourgeois ‚anpumpen‘ musste, um über die Runden zu kommen“, erklärt der Autor.

Auf dem Bild fehlt... Rilke

Der Dialog zwischen Autor und Publikum nach der Lesung war ein bisschen Fragerunde, ein bisschen Bildinterpretation. Auf die Frage, wie er auf den Buchtitel gekommen sei, antwortete Modick: „Das Faszinierende an diesem Bild ist ja, dass Bewohner der Kolonie bei einem Musikfest das Motiv sind.

Aber wo ist Rilke? Der Dichter fehlt! Der beste Freund des Malers fehlt. Warum?“ Diese Auffälligkeit im Gemälde sei es auch gewesen, die ihn letztlich zu diesem Roman verleitet hätte, so der Oldenburger. Dabei ist Modick selber ein großartiger Maler.

Allerdings sind seine Hilfsmittel nicht Farbe und Pinsel, sondern die Sprache. Hervorragend versteht es der 63-Jährige, Bilder vor dem geistigen Auge des Lesers und Zuhörers zu „malen“: von Ortschaften wie einer zum Atelier umfunktionierten Gartenlaube bis hin zu den Abendkleidern der sogenannten „Künstlerweiber“ der Kolonie.

von Benjamin Kaiser

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