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„Deutschland ist mein Schicksal“

NLG ehrt Prinz Asfa-Wossen Asserate „Deutschland ist mein Schicksal“

Alle Plätze im Café Vetter waren besetzt, als Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate gestern von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und dem NLG-Vorsitzenden Ludwig Legge mit dem Literaturpreis der Neuen Literarischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde.

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Ludwig Legge (links) und Oberbürgermeister Egon Vaupel zeichneten Prinz Asfa-Wossen Asserate aus.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. „Ich bin zutiefst dankbar und nehme den Preis mit großer Demut entgegen“, sagte der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, mit dem er sich in seinem neuen Buch auseinandersetzt. Anlässlich der Preisverleihung stellte er das Buch gestern vor.

Prinz Asfa-Wossen Asserate ist der zweite Träger des noch jungen Literaturpreises der NLG: Vor zwei Jahren wurde Galsan Tschinag ausgezeichnet. Beide Preisträger verbindet viel, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen kommen: Der eine ist Mitglied des ältesten Herrschergeschlechts Afrikas, der andere ein mongolischer Schamane. Das Verblüffende: Beide schreiben in Deutsch.

Auch der mit 3000 Euro dotierte Preis ist etwas Besonderes: Der Preisträger wird nicht von einer Jury, sondern von den Mitgliedern der NLG gekürt, die auch die Hälfte des Preisgeldes spenden. Die andere Hälfte stellt die Stadt Marburg zur Verfügung.

Staatsbürger seit 1981

Seit 1968 lebt Prinz Asfa-Wossen Asserate in Deutschland, wo er Jura, Geschichte und Volkswirtschaft studierte. Nach einem Militärputsch gegen Haile Selassie im Jahr 1974 konnte er viele Jahre lang nicht in seine Heimat zurück. „Deutschland und die Deutschen“, sagte er im Gespräch, „sind mein Schicksal.“ Seit 1981 ist er deutscher Staatsbürger und er betont: „Deutschland ist die vielleicht beste Demokratie der Welt.“

Der Afrikanist Professor Herrmann Jungraithmayr würdigte den Preisträger, den er in dessen Muttersprache Amharisch begrüßte, in seiner Laudatio als „Brückenbauer zwischen Äthiopien und Deutschland, zwischen Afrika und Europa“. Sein Leben und Werk mute wie ein modernes orientalisches Märchen an. Ohne den Sturz des Kaisers wäre er heute vielleicht Ras (Herzog) in dem ostafrikanischen Land oder sogar der Herrscher einer uralten Dynastie. Prinz Asfa-Wossen Asserate sei „eine Bereicherung für die deutsche und europäische Kultur“.

Mit „Manieren“ gelang ihm 2003 ein vielbeachteter Bestseller. 2013 erschien „Deutsche Tugenden. Von Anmut bis Weltschmerz“. Ein bemerkenswertes Buch: Da stellte ein Afrikaner deutsche Tugenden vor, die er schätzen gelernt hat.

Uraufgeführt wurde Roswitha Aulenkamps „Die hohen Semien“, ein Marsch für Klavier. Es ist eine Auftragsarbeit, mit der Prinz Asserate an die Massaker durch die italienische Invasionsarmee in den Jahren 1935 bis 1937 in Äthiopien erinnern will, denen Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Justus Noll und Alexander Reiners.

von Uwe Badouin

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