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Deutscher Bulle, japanische Sitten

OP-Buchtipp: Carsten Germis: „Sayonara, Bulle“ Deutscher Bulle, japanische Sitten

Um in Japan Erfahrungen zu sammeln, wird der Provinzpolizist Bernie Ahlweg nach Tokio geschickt. Mit seiner unkonventionellen Art bringt er seinen neuen Kollegen noch einiges bei – und macht sich gleichzeitig Feinde auf höchster Ebene.

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Kulturschock zwischen Kirschblüten und Hightech: Ein deutscher Provinz-Polizist ermittelt in „Sayonara, Bulle“ im glitzernden Tokio.

Quelle: Franck Robichon

Andere Länder, andere Sitten. Mit dieser Weisheit wird der Kleinstadt-Polizist Bernie Ahlweg bei seiner Versetzung nach Tokio schonungslos konfrontiert.

In „Sayonara, Bulle“, Roman-Debüt des Ostasien-Korrespondenten Carsten Germis, prallt die Welt des sturen Einzelgängers aus der niedersächsischen Provinz auf artige Bürohengste, denen Teamarbeit und Prinzipientreue über alles gehen. Bereits am ersten Tag entdeckt der 52-Jährige einen Mord und kommt in kürzester Zeit mit zwei Mafia-Clans und der Polizei in Konflikt.

Es bleibt wenig Zeit, sich an das neue Leben zu gewöhnen, das ihm ein deutsch-japanisches Austauschprojekt beschert hat. Nicht dass Bernie-san, wie ihn seine neuen Kollegen nennen, Anstalten macht, sich in das neue System zu fügen. Kurz nach dem Tipp, er solle sich auf Staatskosten einen netten Urlaub machen, werden Ahlweg und seine Betreuerin Yoko Fukuda zu einem Einbruch gerufen. Yoko macht keinen Hehl daraus, was sie von dem Deutschen hält.

Immerhin steht er ihrer Karriere im Weg – eine Frau, die nach oben will, wird mit unsinnigen Aufgaben ausgebremst. Ihre Achtung steigt, als Bernie-san herausfindet, dass zu dem Einbruch auch ein raffinierter Mord gehört. Die Indizien für eine Verschwörung wecken in Ahlweg nicht nur seinen lang verschütteten Spürsinn, sondern auch das Interesse der Yakuza, der japanischen Mafia, und deren Handlanger.

Als Ausländer kann man sich im Land des Lächelns einiges mehr erlauben, was Ahlweg recht unkonventionell nutzt. Einen über den Durst zu trinken, gehört zu seinen Ermittlungsmethoden genauso wie das Treffen mit sogenannten Gesellschafterinnen und Mafia-Bossen. Dass er von einem Auftragskiller beschattet wird, bestärkt ihn in seinem Tatendrang.

Bernie-san eckt an

Die Sprachbarriere stellt ein nicht zu unterschätzendes Hindernis dar. Oft kommt Bernie erstaunlich gut mit Englisch über die Runden. Zeitungsartikel und längere Gespräche werden von den japanischen Kollegen und Bekannten übersetzt. Doch immerhin kann er sich im Alltag verständigen. Das Wirrwarr aus gleichklingenden Silben und Höflichkeitsfloskeln der Japaner beherrscht Ahlweg nach drei Monaten Sprachunterricht in Deutschland vielleicht etwas zu gut.

Die Milieuschilderungen von Carsten Germis sind sehr treffend. Der Auslandskorrespondent in Tokio legte damit sein Roman-Debüt vor. Vielleicht hat er ja seit 2010 ähnliche Erfahrungen wie seine Hauptfigur sammeln können. Mit genau dieser Einstellung eckt Bernie-san an. Selbst Yoko, die von Einheit und Vorschriften genug zu haben scheint, stellt sich nur bedingt gegen Anweisungen, zwielichtige Vorgesetzte und Politiker. Germis versucht nicht, an den Festen der japanischen Gesellschaft zu rütteln.

Doch lässt seine Einführung in die Welt zwischen Kirschblüten und Hightech einen etwas fahlen Beigeschmack zurück: Wirtschaftlicher Erfolg, geringe Arbeitslosigkeit und ein scheinbar perfektes System haben ihren Preis. Und daran können auch Ausländer nur wenig ändern.

  • Carsten Germis: „Sayonara, Bulle“, Verlag rororo, Reinbek, 336 Seiten, 9,99 Euro.

von Monika Meyer

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