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Der will nur spielen

Hörtheatrale Der will nur spielen

Von London über Trans­silvanien geht nun es ins alte Rom: Daniel Sempf und seine Hörtheatrale haben sich nach Sherlock Holmes und Dracula als neues Projekt Caligula vorgenommen.

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 Daniel Sempf (von links), Ogün Derendeli und Viktoria Schmidt setzen „Caligula“ von Albert Camus als Kopfkino in Szene.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Haben Sie Caligula gesehen?“ Aus der „Black Box“ im Hessischen Landestheater kommt dem Publikum eine Frau entgegen. „Haben Sie mein Stiefelchen gesehen?“, fragt sie. Das „Stiefelchen“ hieß mit richtigem Namen Gaius Iulius Caesar und der scheinbar liebe­volle Kosename, den er nach seinem Tod erhielt, täuscht.

Vier Jahre regierte er von 37 bis 41 nach Christus in einer Schreckensherrschaft. Nur den Mond will er, „Kollateralschäden inbegriffen“, wie die Hörtheatrale es formuliert. Auch wenn der Despot im Stück eine Möhre knabbert – das Publikum bekommt alles andere als leichte Kost vorgesetzt. Düster und beklemmend ist die Atmosphäre und wieder einmal schafft es die Hörtheatrale, ein Stück fast ausschließlich über Sound und Stimme zu transportieren.

Ansonsten: nur ein wenig Licht und Nebel und spärlich eingesetzte Requisiten. Wenn Caligula bunte Partyhütchen auspackt, dann passt das als ironische Brechung wunderbar. Apropos Brechen: Um eine Folter grausam hörbar zu machen, geht es auf der Bühne einer Stange Lauch an den Kragen.

Die meisten Effekte kommen aus dem Computer, aber an einigen Stellen betätigen sich die drei Schauspieler live als Geräuschemacher und pusten dem Publikum zum Beispiel Wasserbläschen übers Mikrofon in die Gehörgänge.

Freiheit auf Kosten anderer

Für Sound und Regie zeichnet einmal mehr Daniel Sempf verantwortlich, an seiner Seite auf der Bühne sind Viktoria Schmidt und Ogün Derendeli zu sehen beziehungsweise zu hören – beide ein klarer Gewinn für die Hörtheatrale, vor allem Derendeli, der Caligula eindrucksvoll akustische Züge verleiht.

Dass leben das Gegenteil von lieben ist und vor der Angst alles klein wird, wie Caligula philosophiert, das bekommen die Untertanen zu spüren. „Man ist nur auf Kosten der anderen frei.“ Was ist Freiheit, was Verantwortung und was geschieht mit einem Menschen, wenn er mächtig wird? Die Fragen, die das Stück von Albert Camus aufwirft, verpackt die Hörtheatrale als Hörspiel-Thriller. Der Stoff ist auf 75 Minuten verdichtet und auch atmosphärisch dicht. „Grandios umgesetzt“, befand eine Premierenbesucherin am Samstagabend.

  • Weitere Aufführungen von Caligula beginnen am 18. und 19. Dezember um 20 Uhr in der „Black Box“ des Hessischen Landestheaters. Am 6. und 7. Dezember zeigt die Hörtheatrale den „Fall Moriarty“ mit Stefan Gille und Daniel Sempf ab 20 Uhr im Lomonossow-Keller

von Nadja Schwarzwäller

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