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Der vergebliche Kampf gegen Krebs

OP-Buchtipp: Paul Kalanithi: „Bevor ich jetzt gehe ...“ Der vergebliche Kampf gegen Krebs

Als Neurochirurg hat er viele Menschen an Tu­moren sterben sehen. 
Nun stirbt er selbst. Wie durchlebt ein Arzt eine Krebsdiagnose, Therapien, Rückschläge?

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Paul Kalanithi (rechts) mit einer Mitarbeiterin in einem Krankenhaus in Stanford. Der junge Arzt erlag im März 2015 seiner Krebserkrankung.

Quelle: Norbert van der Groeben

Angst, schließlich ein Abfinden: Nach einer Krebsdiagnose durchlaufen Menschen oft verschiedene Gefühlsphasen.

An seinen Gedanken, seinem Hoffen und letztlich der Kapitulation lässt ein junger Arzt die Leser in seinem Buch „Bevor ich jetzt gehe“ teilhaben. Paul Kalanithi starb am 9. März 2015 mit 37 Jahren – in einem Krankenbett kaum 200 Meter entfernt von der Entbindungsstation, auf der acht Monate zuvor seine Tochter geboren wurde.

Seine Frau Lucy kümmerte sich um die von ihm sehnlich gewünschte Veröffentlichung. In den USA gelangte das Buch an die Spitze der „New York Times“-Bestseller-Liste, nun liegt dieser Bestseller in deutscher Übersetzung vor.

Nach einem ausführlichen Prolog schildert Kalanithi im ersten Teil des Buches seinen Werdegang und seine Arbeit als Arzt, im zweiten sein Leben als Patient und Familienvater. Ehrgeizig und karriereorientiert wirkt Kalanithi in dem Bericht. Krebs hat sich in seiner Lunge ausgebreitet, die Prognose ist düster.

Die Untersuchungen kannte er aus der anderen Perspektive

Kalanithi entscheidet sich mit seiner Frau dafür, ein gemeinsames Kind entstehen zu lassen, obwohl die Ehe bis zur Diagnose kriselte. Er durchlebt nun selbst, was er als Neurochirurg zuvor viele Male bei seinen Patienten erlebt hat – und schreibt es auf.

Kalanithi erzählt, wie er lange nach den ersten Symptomen einem Freund anvertraut: „Ich glaube, ich habe Krebs, Mike. Und nicht von der guten Art.“ Ein großer Schritt nach wochenlanger Grübelei. „Zum ersten Mal hatte ich es ausgesprochen.“

Er beschreibt, wie es war, zur Abklärung des Verdachts in „seine“ Klinik zu kommen. „Ich bekam das Plastikarmband, das alle Patienten tragen, zog den vertrauten hellblauen Patientenkittel an und ging, vorbei an Schwestern, die ich mit Namen kannte, in ein Zimmer – das Zimmer, in dem ich im Lauf der Jahre mit Hunderten Patienten gesprochen hatte.“

Aus seinen ersten Jahren als Arzt erzählt er, davon, dass die erste erlebte Geburt gleichzeitig der erste erlebte Tod war. Viele Notfallpatienten habe er betreut. „Mitunter war das Gewicht der Situation spürbar. Anspannung und Leid lagen in der Luft.“

An seinem letzten Tag als Arzt in der Klinik eilt ein nichtsahnender Kollege auf dem Weg zum Parkplatz auf ihn zu, dreht dann aber wegen seines piepsenden Pagers mit einem „Wir sprechen uns später“ ab. „Im Wagen kamen mir die Tränen, während ich langsam ausparkte.“

Das Buch ist unvollendet – und das gehört dazu

Zeit sei für einen Krebspatienten etwas Zweischneidiges, erklärt Kalanithi. Naheliegende Reaktion auf das Wissen um den baldigen Tod sei, sich in Aktivität zu stürzen, das verbleibende Leben voll auszukosten, zu reisen, alles zu erledigen, was man schon immer tun wollte.

„Doch eine der grausamen Begleiterscheinungen von Krebs ist nicht nur, dass er die Zeit begrenzt, sondern auch die Energie, und damit reduziert er das Pensum, das man in einen Tag pressen kann, beträchtlich“, schreibt er.

Letztlich sei Paul doch viel eher gestorben als für sie beide vorstellbar, schreibt seine Frau im Nachwort. Sein Krebs sei resistent geworden, als die Tochter mit fünf Monaten ihr erstes Weihnachten feierte. „Dieses Buch ist in gewisser Weise unvollendet, abgebrochen durch die rapide Verschlechterung von Pauls Zustand, doch dies gehört ganz wesentlich dazu, es ist die Wirklichkeit dessen, was Paul durchmachte.“

„Bevor ich jetzt gehe“ ist ein berührendes Buch, allein schon, weil es ein so junger Mensch ist. Spürbar ist auch, dass es ein Konstrukt ist, kein fertiges Ganzes.

  • Paul Kalanithi: „Bevor ich jetzt gehe. Was am Ende wirklich zählt – Das Vermächtnis eines jungen Arztes“, Knaus Verlag, 192 Seiten, 19,99 Euro.

von Annett Stein

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