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Der rätselhafte Höllenmaler

OP-Buchtipp: „Catalogue Raisonné: Hieronymus Bosch ...“ Der rätselhafte Höllenmaler

Hieronymus Bosch ist einer der ungewöhnlichsten Künstler der Renaissance. Er hat ein rätselhaftes Werk hinterlassen. 500 Jahre nach seinem Tod ist nun das „definitive Werkverzeichnis“ des Niederländers erschienen.

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Ein Mann betrachtet im Escorial bei Madrid Hieronymus Boschs Triptychon „Der Heuwagen“. 
In Madrid wird ab Ende Mai eine große Bosch-Ausstellung gezeigt.

Quelle: Juan Carlos Hidalgo

„Das Jüngste Gericht“, wie Hieronymus Bosch es sich vorstellte, könnte heute noch Regisseure von Horrorfilmen inspirieren: Monster aller Art bevölkern eine alptraumhafte Szenerie, quälen und foltern Menschen.

Während auf der Erde Teufel in allen Formen über die Menschen herfallen, werden einige gerettete Seelen von Engeln ins Paradies getragen. Doch auch dort im Paradiesgarten wird gekämpft: aufständische Engel werden gestürzt. Ganz schlimm ist die Hölle, die sich Hieronymus Bosch ausgemalt hat. Dort will wirklich niemand enden.

Wer war dieser Hieronymus Bosch, der 1516 in s’Hertogenbosch starb? Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Bosch Research and Conservation Project“ hat sich auf Spurensuche begeben und das Werk des Künstlers, der um 1430 geboren wurde, unter die Lupe genommen.

Das Resultat von sechs Jahren wissenschaftlicher Forschung ist der „Catalogue Raisonné. Hieronymus Bosch“ – ein voluminöses, 608 Seiten dickes Buch über einen Maler, der nach Ansicht der Forscher „um 1500 durch seine innovative Arbeitsweise die Spielregeln der Malerei verändert hat“.

Ziel des Projekts war nicht weniger als „das definitive Werkverzeichnis“ dieses Künstlers an der Grenze von Spätmittelalter zu Renaissance. Boschs Werke wurden für den Katalog neu fotografiert. Kenntnisreiche Texte 
informieren über Stil, Ikonografie und malerische Technik ebenso wie über die Geschichte der Bilder dieses genialen Malers, der die Schrecken und Hoffnungen seiner Zeit etwa im „Garten der Lüste“ abbildete. Der prächtige „Catalogue Raisonné“, erschienen im Belser-Verlag, ist eine lesenswerte Bestandsaufnahme für Bosch-Fans und auch als Einführung in sein Werk zu empfehlen.

Hieronymus Bosch entstammte der Malerfamilie van Aken – ein Verweis darauf, dass seine Vorfahren vermutlich aus Aachen stammten. Erhalten geblieben sind von Bosch nur Gemälde auf Holztafeln. Berühmt sind die Triptychen „Der Garten der Lüste“ (entstanden um 1500), „Das Jüngste Gericht“ (entstanden um 1485 bis 1508) und „Der Heuwagen“ (entstanden um 1490), die im Museo der Prado in Madrid beziehungsweise in der Akademie der bildenden Künste in Wien zu sehen sind.

Immer wieder bildet Bosch das Paradies oder den Garten Eden, weltliche Szenen und die Hölle 
 ab. Bevölkert sind seine Bilder von Menschen und dämonenartigen Gestalten. Es sind oft grausame Szenen, die Bosch zeigt – und sie alle stecken voller Chiffren, voller Details, voller Andeutungen, die die Menschen seiner Zeit entschlüsseln konnten, die uns Menschen des 21. Jahrhunderts aber rätselhaft sind.

Ausstellungen:

Bis zum 8. Mai zeigt das Noordbrabants Museum in s’Hertigenbosch die Ausstellung „Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies“. Das Prado-Museum in Madrid feiert den Maler vom 31. Mai bis 11. September mit der wohl größten Bosch-Schau aller Zeiten, in der seine berühmten Triptychen zu sehen sind.

  • „Catalogue Raisonné: Hieronymus Bosch – Maler und Zeichner“, hrsg. vom „Bosch Research and Conservation Project“, 608 Seiten, bis 31. Dezember 99 Euro, danach 128 Euro.

von Uwe Badouin

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