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Der ganz alltägliche Wahnsinn

Patrick Salmen im KFZ Der ganz alltägliche Wahnsinn

Als Slampoet und Autor hat sich Patrick Salmen deutschlandweit einen Namen gemacht. Am Freitag las er im KFZ aus seinem Buch „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“.

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Patrick Salmen mit seinem Buch „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“. Foto: Benjamin Kaiser

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Als Salmen im Sommer 2014 das letzte Mal in Marburg auftrat, ebenfalls im KFZ, überzeugte er mit seinem Buch „Ich habe eine Axt – Urlaub in den Misantropen“ und dem gleichnamigen Programm. Um dem Titel ein wenig Nachdruck zu verleihen, hatte Salmen damals auch gleich eine Axt mitgebracht.

An diesem Freitagabend ist das scharfkantige Werkzeug nicht mit von der Partie. An Schärfe haben Salmens Formulierungen aber keineswegs verloren. Der Dortmunder versteht es nach wie vor prächtig, so phlegmatisch daherzukommen, als könne er kein Wässerchen trügen.

In Wirklichkeit ist er jedoch mit allen Wassern gewaschen – natürlich nur in seinen Geschichten. Mit tiefer, monotoner Stimme und staubtrockenem Humor feuert Salmen die Pointen aus allen Rohren und sorgt zweieinhalb Stunden mit Zynismus und Sarkasmus für beste Unterhaltung im randvollen 
KFZ.

Erlebtes und Fantasie vermischen sich

Der Abend ruht auf den baumdicken Schenkeln von Salmens neuem Buch: „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“, die Sammlung von Kurzgeschichten erschien vor rund einem Monat. Auf 224 Seiten widmet sich der 31-Jährige wieder einmal dem ganz gewöhnlichen Wahnsinn seines Alltags – Bahnfahren, Babysitten, der Prokrastination genannten Erledigungsblockade. Dabei vermischen sich in seinen Geschichten, die oft einem Kuriositätenkabinett entsprungen zu sein scheinen, Fantasie und tatsächliche Erlebnisse.

So zum Beispiel in „Die Sprache der Wölfe“: Salmen tourt mit der Bahn durch Deutschland, als ihm seine Sitznachbarin, eine „sehr attraktive Frau“, ihr Baby in die Arme drückt, weil sie „mal kurz aufs Klo“ muss. Eine Stunde vergeht, und Salmen tauft das ausgesetzte Kind auf den Namen „Mowgli“. „Ich wollte schon meine Mama anrufen, um ihr zu sagen, dass sie Großmutter geworden ist“, gibt Salmen zu.

Der Wolfsvater ist dann auch reichlich betrübt, als die Mutter dann doch zurückkehrt und das Kind zurück haben will. „Ich habe mich so gefühlt, als würde mir mein Kind weggenommen“, klagt der Dortmunder über diese Ungerechtigkeit. Dies sei, so Salmen, tatsächlich so passiert. Letztlich geht er mit Frau einen Kaffee trinken. „Das ist gelogen. Leicht nachzuvollziehen, weil mir da mal etwas Schönes passiert ist“, sagt er grinsend und streicht sich über seinen imposanten Bart.

von Benjamin Kaiser

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