Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Der fast alltägliche Weltuntergang

Theater an der Waldorfschule Der fast alltägliche Weltuntergang

Was tun, wenn ein Dino zur Tür hereinschaut? Absurdes Theater vom Feinsten präsentierte die 12. Klasse der Waldorfschule am Wochenende mit Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“.

Voriger Artikel
Ein Choleriker macht Station in Waggonhalle
Nächster Artikel
„Mittelstadtrauschen“ in der Großstadt

Eine schrecklich nette Familie: Die Antrobus‘ durchleben stellvertretend für die Menschheit alle erdenklichen Katastrophen. Foto: Bettina Preussner

Marburg. Thornton Wilders berühmtes Stück ist sicher nicht leicht zu spielen, denn es erzählt nicht weniger als die Geschichte der Menschheit mit den Mitteln des absurden Theaters. Dass es ein witziger und sehr unterhaltsamer Theaterabend wurde, lag zu allererst an der tollen schauspielerischen Leistung der Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule. Sie spielten durchweg souverän und waren mit viel Engagement und Leidenschaft dabei.

Das Interessante daran: Jeder der Schüler der 12. Klasse hatte eine der vielen Rollen übernommen. Das Stück wurde auch am Samstag und am Sonntag gespielt - in einer anderen Besetzung. So konnten alle mitmachen. Auch die bunten Kostüme und das phantasievolle Bühnenbild waren Eigenproduktionen der Klasse.

„Wir sind noch einmal davongekommen“ wurde 1942 uraufgeführt, also mitten im Zweiten Weltkrieg. Es erzählt von den großen Katastrophen, die die Menschheit in regelmäßigen Abständen heimsuchen. Im ersten Akt steht die Eiszeit vor der Tür. Eine Wand aus Eis bedroht die Familie Antrobus, die wie eine typische moderne Durchschnittsfamilie lebt, aber einen Dinosaurier und ein Mammut als Haustiere hält. Aber Mr. und Mrs. Antrobus lassen sich nicht unterkriegen. Sie halten durch und können schließlich durch ihren Lebenswillen wieder von vorne anfangen.

Im zweiten Akt bahnt sich eine weitere Katastrophe für die Menschheit an: Die große Sintflut. Wieder gelingt es der Muster-Familie, sich in letzter Minute zu retten. Zusammen mit je zwei Exemplaren jeder Tiergattung flieht sie auf ein Schiff, das der Arche Noah ähnelt.

Im dritten Akt werden die Antrobus‘ dann von der schlimmsten aller Katastrophen bedroht: dem Krieg. Aus den Ruinen kämpfen sie sich wieder empor und scheinen entmutigt. Aber sie stehen wieder auf, um weiter zu kämpfen und einen Neuanfang zu wagen.

„Das Ende ist noch nicht geschrieben“, heißt es am Schluss des Stückes. „Es wird ewig so weitergehen.“

Bereits vor den Sommerferien hat die 12. Klasse der Waldorfschule mit den Proben begonnen, nach den Ferien wurde fünf weitere Wochen lang intensiv geprobt. Das Bühnenbild entwarfen die Schüler selbst im Kunstunterricht, die Kostüme wurden von Schülern und Eltern selbst genäht.

Thornton Wilder, der von 1897 bis 1975 lebte, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern. Für sein Stück „Wir sind noch einmal davongekommen“ erhielt er 1943 den renommierten Pulitzer-Preis. Es wird bis heute auch an vielen deutschen Bühnen gespielt.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr