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Der bayerische „Krattla“ 
und seine „Aborigines“

Georg Ringsgwandl im KFZ Der bayerische „Krattla“ 
und seine „Aborigines“

Georg Ringsgwandl zeigt sich mit seiner CD „Woanders“ als heimatverbundener Schelm. Der Kabarettist und Musiker spielte im KFZ vor 270 Zuschauern.

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Der Kabarettist Georg Ringsgwandl besang im KFZ seine Heimat.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Einst pflegte Georg Ringsgwandl eine Vorliebe für schillernde Outfits, schrilles ­Make-Up. Dagegen wirkt der beige Anzug mit passendem Hut und weit aufgeknöpftem Hawaii-Hemd regelrecht bieder.

So präsentiert sich der Mann aus Bad Reichenhall – ein kleiner Ort in Bayern – im KFZ ­
bemerkenswert gewöhnlich. ­Lediglich der Hut mit angenähten blonden Haaren, den er für kurze Zeit aufsetzt, lässt auf Ringsgwandls Hang zum Exzentrischen schließen.

Aber der Wandel des Äußeren kommt nicht von ungefähr, sondern passt zu der neuen CD namens „Woanders“, bei der sich der Urbayer mehr von seiner melancholischen und nostalgischen Seite zeigt. Er hat sich ein Stück weit neu erfunden. Lyrischer und leiser ist er geworden.

Der größte Schummler aller Zeiten

Heimatverbunden gibt sich der 68-Jährige. Das Bayern, das er in der Vergangenheit gerne mal auf die Schippe nahm, besingt er und zeigt sich besonders beim Titelsong zum ­Album ungewöhnlich provinziell. Nirgendwo anders scheint es schöner als zu Hause. Mit breitem bayrischen Akzent besingt und beschreibt er in dem Song „Oberpfalz“ auch die landschaftlichen Schönheiten und die sympathischen Leute „gonz woit hint‘n in der Oberpfualz“.

Abstruse Texte hat der bayrische Schelm aber keineswegs aus seinem Repertoire gestrichen. Vor allem beim Song „Krattla von Minga“ ist aus ­verschiedenen Stuhlreihen vergnügtes Quieken zu hören. Für diejenigen, die keinen Crash-Kurs in Bayrisch belegt haben, serviert Ringsgwandl eine griffige Definition: „Ein Krattla ist jemand, der halbseiden ist. Ein harmloser Schummler.“ Sich selbst bezeichnet er als „größten Krattla überhaupt“.

Zwischen den Songs lässt Ringsgwandl, der an der Gitarre und dem Klavier sowie an der Zither überzeugt, immer wieder seine Vorliebe fürs Kabarett aufblitzen.

„Woanders“ lässt sich in keine musikalische Schubladen pressen. Ringsgwandl wagt mit seinem neuen Werk eine wilde Tour durch viele Genres. Country-, Jazz-, Rock- und Popmusik. Dass dies glückt, ist auch den drei Musikern im Hintergrund zu verdanken. Christoph Müller an der E-Gitarre, Tommy Baldu am Schlagzeug sowie Christian Diener am Kontrabass. Seine Band nennt Ringsgwandl die „drei Aborigines“. Und er als Stammeshäuptling führt durch einen gelungenen Musikabend.

von Benjamin Kaiser

 
 
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