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Der alte Mann und das Saxofon

Jazz-Legende Lee Konitz spielte im KFZ Der alte Mann und das Saxofon

Lee Konitz war neben Charlie Parker der bedeutendste Altsaxophonist der 1940er Jahre. Er ist noch immer im Geschäft. Das zeigte er nun im KFZ.

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Altmeister Lee Konitz nahm auf der KFZ-Bühne auf einem Stuhl Platz. Der 87-Jährige wurde begleitet von Bassist Jeremy Stratton und Schlagzeuger George Schuller.

Quelle: Maik Dessauer

Marburg. Lee Konitz arbeitete bei „Birth of the Cool“ mit Miles Davis zusammen und blickt mit seinen mittlerweile 87 Jahren auf eine große und glanzvolle Karriere zurück. Am Dienstagabend holte die Jazzinitiative Marburg den gebürtigen Chicagoer Lee Konitz samt seiner Band, bestehend aus George Schuller (Schlagzeug) und Jeremy Stratton (Bass), auf die Bühne des KFZ.

Bereits die erste Ansage des Abends ließ den verschrobenen Humor des Altmeisters erahnen: „Vielen Dank. Ihr seid sehr freundlich. Wir freuen uns sehr… am Leben zu sein.“ Es folgten wenige weitere Einwürfe wie „Ich spreche leider nur ein wenig… Englisch“, womit er das Publikum schnell für sich gewonnen hatte.

Das Trio spielte ein eineinhalbstündiges Set ohne Pause, bei dem sich Konitz letztlich ob des anhaltenden Applauses noch zu seiner Zugabe hinreißen ließ: „You or no one“ brachte am Ende des Abends noch mal einiges an Schwung in den Saal, den das zuvor sehr ruhige und beinahe bedächtige Set etwas vermissen ließ.

Zwischen Zigarettenrauch und Whiskey

Keine Frage, Konitz ist nicht mehr der Jüngste und nicht nur deshalb verbrachte das lässig in Hawaiihemd gekleidete Urgestein den Großteil des Abends sitzend auf seinem Stuhl am Bühnenrand. Vielmehr passte auch  der Auftritt zum sehr reduzierten Arrangement des Abends, bei dem der deutsche Pianist Florian Weber fehlte.

Laut Konitz zahle ihm jemand anderes „wohl mehr Geld“. In dieser besonderen schummrig-dunstigen Atmosphäre, irgendwo zwischen Zigarettenrauch und Whiskey, die nur der Jazz kreieren kann, wandelten die Virtuosen an diesem Abend vornehmlich auf leisen und zurückhaltenden Pfaden. Die Balladen „Stella“, „Body and Soul“ und „What is this Thing called Love?“ bildeten dabei die Herzstücke.

Schuller, der erst an diesem Nachmittag wieder in Frankfurt gelandet war, da sein Vater Gunther (selbst ein begnadeter Komponist) kürzlich verstorben war, lieferte am Schlagzeug eine Performance voller Leidenschaft und Tiefe ab, die den an sich nicht minder hochklassigen Part Konitz‘ teilweise gar in den Hintergrund rücken ließ.

Viele Worte verlor der Altmeister während des Sets nicht mehr. Das meiste wurde der Musik überlassen. Die Zuschauer nickten zufrieden zum Beat, schlossen die Augen, ließen sich treiben.
Lee Konitz zeigte im KFZ, dass er auch mit beinahe 90 Jahren noch zu den ganz Großen des Business gehört.

von Maik Dessauer

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