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Der alte Mann und das Mikrofon

Chris Farlowe im KFZ Der alte Mann und das Mikrofon

Erdigen, grundehrlichen Blues präsentierte Profisänger Chris Farlowe am Mittwoch vor 160 Fans im KFZ. Es war ein mitreißendes Konzert.

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72 und kein bisschen leise: Der Bluessänger Chris Farlowe im KFZ.Foto: Preussner

Marburg. Unglaublich, was für eine Stimme der Mann in seinem Alter noch hat. Mit 72 ist Chris Farlowe nicht eben jung für einen Sänger, aber er klingt eher nach 27. Noch immer macht er seinem Ruf alle Ehre, einer der wenigen weißen Bluessänger mit schwarzer Stimme zu sein. Dunkel klingt sein Gesang, kehlig und voll. Ebenso erstaunlich ist seine ungeheure Bühnenpräsenz.

Am Mittwoch schickte er zunächst die Band vor, damit sie sich schon mal warm spielt. Aber dann war er plötzlich da, alle Augen richteten sich auf ihn, alle hingen begeistert an seinen Lippen. Ausstrahlung ist alles, denkt man, wenn man ihn so auf der Bühne stehen sieht: klein, schneeweißer Haarschopf, der Körper etwas unbeweglich und verbogen. Doch dann legt er los, und alle Äußerlichkeiten sind vergessen.

Chris Farlowe präsentierte zusammen mit der hervorragenden Norman Beaker Band guten, bodenständigen Blues, mit viel Herzblut gespielt und gesungen.

Da gab es gefühlvolle Songs, die von Liebe und Leid erzählten, und mitreißende Hits aus den 60er Jahren, die schon die Small Faces gespielt haben. Immer wieder streute Farlowe ironische Bemerkungen ein und brachte das Publikum zum Lachen. In „Stormy monday“ jammerte er mit traurigem Augenaufschlag, dass sein Geld schon längst alle sei und seine Frau mit dem besten Freund abgehauen.

Auch sonst unterhielt Farlowe das Publikum mit allerlei witzigen Anekdoten: Das Wetter in Marburg sei ja ganz scheußlich, meinte er. „Ich sehne mich zurück nach London.“ Auch das Älterwerden war immer wieder Thema seiner Witzeleien: „In den 60er Jahren habe ich Whiskey getrunken, in den 80ern Bier, jetzt trinke ich Bio-Apfelsaft.“

Aber im Vordergrund stand natürlich die Musik. Das Publikum ließ sich bereitwillig mitziehen von einem Künstler, dem das Singen sichtlich noch immer viel Spaß macht. Und so herrschte bald eine Superstimmung im KFZ.

Chris Farlowe macht seit den 1960er Jahren sehr erfolgreich Musik. Die Rolling Stones haben einen Song für ihn geschrieben, und eine Zeit lang trat er als Sänger der Rocklegende „Colosseum“ auf.

Auch sein Gitarrist Norman Beaker, ein absoluter Profi, zählt seit Jahren zu den herausragenden Bluesmusikern.

von Bettina Preussner

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