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Der alltägliche Rassismus

Landestheater: „Furcht und Ekel Der alltägliche Rassismus

Am Samstag hat in der Black-Box des Theaters 
am Schwanhof das Gegenwartsstück „Furcht und Ekel“ Premiere – eine Bestandsaufnahme rechten Denkens. Märchenhaft wird es am Sonntag mit „Däumelinchen“.

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Annette Müller und Jürgen Helmut Keuchel sind in einer Szene des Stückes „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ zu sehen.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Das Landestheater macht politisch weiter: Nur eine Woche nach Bertolt Brechts Lehrstunde „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ über den Aufstieg Adolf Hitlers steht am Hessischen Landestheater Marburg die zweite Premiere der neuen Spielzeit auf dem Programm: „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ ist eine Bestandsaufnahme des alltäglichen Rassismus in Deutschland. Das Stück wurde am 8. November 2014 am Schauspiel Stuttgart uraufgeführt.

Der 1982 in Halle geborene Dramatiker Dirk Laucke hat ­basierend auf Augenzeugen­berichten und Zeitungsnotizen eine Collage aus 22 Szenen geschrieben, deren Titel auf Stücke wie „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht und „Furcht und Hoffnung der BRD“ von Franz Xaver Kroetz verweist. Nach Brechts Szenen aus dem „Privatleben der Herrenmenschen“ kommen nun Szenen aus dem „Privat­leben glücklicher Leute“.

„Laucke porträtiert in seinem 2014 uraufgeführten Stück nicht nur prollige Nazis aus Sachsen-Anhalt, sondern zielt auch auf das Selbstbild einer vermeintlich aufgeklärten Mittelschicht“, teilt das Hessische Landestheater mit. Der Autor beleuchtet den Rassismus quer durch alle sozialen Schichten. Angesichts brennender Flüchtlingsunterkünfte, Pöbeleien und Parolen, gebe „Furcht und Ekel“ den Anstoß, aktiv zu werden, so das Landestheater: „Wie können wir den Hetzern begegnen? “

Regie führt Fanny Brunner. Die in Wien geborene Regisseurin hat in Marburg Theaterbesucher bislang die kontrovers diskutierte Rainer Werner Fassbinder-Adaption „Angst essen Seele auf“ und „paradies hungern“ des jungen Dramatikers Thomas Köck auf die Bühne gebracht.

Nun inszeniert sie mit „Furcht und Ekel“ wieder ein Gegenwartsstück in Marburg. Es ist eine große Produktion geworden: Auf der Bühne zu sehen sind Maximilian Heckmann, Insa Jebens, Jürgen Helmut Keuchel, Camil Morariu, Annette Müller, Jan Preissler, Stefan Piskorz, Daniel Sempf und Oda Zuschneid.

OP unterstützt Märchen 
für die Kindergärten

Seit einigen Jahren bietet das Hessische Landestheater auch mobile Kindergartenproduktionen an. „Der kleine Angsthase“ etwa hat lange Zeit heimische Kindergärten besucht. Jetzt kommt „Däumelinchen“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Das Märchenstück richtet sich an Kinder ab drei Jahren.

Däumelinchen wird wie durch Zauberhand in ihre Geschichte hineingeboren: In Windeseile entsteht aus einem Samenkorn eine Blume, in deren Blütenblättern sitzt ein kleines Mädchen. Sie ist kaum größer als ein Daumen, aber wunderschön und reinen Herzens.

„Eine gute Partie“, denkt die freche Kröte von nebenan und entführt Däumelinchen aus ihrem behüteten Zuhause, um sie mit ihrem Sohn zu verheiraten. Doch Däumelinchen kann den beiden glücklicherweise entkommen und bricht zu einer unerwarteten und abenteuer­lichen Reise auf.

Was sie alles erlebt, auf wen sie trifft und wer ihr hilft – davon will die neue mobile Kindergartenproduktion des Hessischen Landestheaters Marburg erzählen. Bereits zum vierten Mal unterstützt die Oberhessische Presse ein mobiles Stück für die Allerkleinsten. Zur Weihnachtszeit wird „Däumelinchen“ für alle Zuschauer ab 3 Jahren auch im Haus gespielt.

Für Regie und Ausstattung zeichnet Juliane Nowak verantwortlich, Dramaturg ist Franz Burkhard. Lene Dax spielt die bekannte Märchenfigur.
Kindergärten können das Stück beim Landestheater buchen.

  • „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Menschen“ hat am Samstag um 19.30 Uhr Premiere. Es gibt noch Karten.
  • „Däumelinchen“ hat am Sonntag um 16 Uhr auf der kleinen Probebühne im Theater am Schwanhof Premiere. Auch hier gibt es noch wenige Restkarten.

von Uwe Badouin

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