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Der Zauber des Unbekannten

Georgisches Kammerorchester Der Zauber des Unbekannten

Spannende Werke standen auf dem Programm des Konzertes im Audimax. Darunter war etwa die „Symphonie concertante“ von Jacques Ibert, ein kaum aufgeführtes Stück, das sich als wahres Juwel entpuppte.

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Im bayerischen Ingolstadt ist das Georgische Kammerorchester beheimatet. Am Sonntag gastierte es im Audimax mit weniger ­bekannten, aber wunderschönen Werken.

Quelle: Andi Frank

Marburg. Bescheiden und zurückhaltend betrat der Solist Ivan Danko die Bühne und überraschte das Publikum mit seiner Kraft und seinem Selbstvertrauen an der Oboe.

Es war bemerkenswert, wie er sich im ersten Satz mit sanften flinken, virtuosen Läufen in Jacques Iberts „Symphonie concertante“ dem rabiaten, fast chaotisch wirkenden Streichern im Dialog entgegensetzte.

Wer bei der Oboe bisher an die Ente aus Prokofjews „Peter und der Wolf“ dachte, wurde hier eines Besseren belehrt. Danko zeigte, wie wandlungsfähig die Oboe ist. Er agierte selbstbewusst und stark und steigerte sich mit Trillern durchzogen in die Höhe, ohne an Durchsetzungsvermögen gegen das Orchester zu verlieren.

Oboist und Streicher treiben sich gegenseitig an

Im zweiten Satz traten die Streicher, ganz im Kontrast, schwebend leicht auf, über die sich Danko mit seiner Oboe setzte. Fantastisch, wie hier das Verhältnis zwischen Orchester und Oboist konstant gehalten wurde. Selbst als sich die 20 Streicher des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt immer kraftvoller in die Höhe steigerten, war Danko stets deutlich herauszuhören.

Auch im dritten Satz trieben sich der Oboist und die Streicher immer wieder an und erfüllten die expressive Musik eindrucksvoll mit Leben. Spätestens in diesen Passagen war Iberts Wirken als Filmkomponist Anfang des 20. Jahrhunderts – er schrieb zu über 60 Filmen die Musik – deutlich zu hören. Es ist wirklich bedauernswert, dass es von der „Symphonie concertante“ kaum Einspielungen gibt. Das Live-Erlebnis vom Sonntag wird jedoch kaum zu übertreffen sein.

Kraftvoll und energisch begann das Konzert auch mit der bekannten „Suite für Streichorchester“ des mährischen Komponisten Leos Janácek. Der große Vorreiter der Moderne verbindet hier kleine musikalische Elemente, wie auch später in seinen Opern, mit denen er bekannt wurde. Wie bei tschechischen Komponisten üblich zeigen sich auch bei Janácek volkstümliche Einflüsse, wie beim unbeschwert wirkenden tänzerischen dritten Satz, den die Musiker mit viel Leidenschaft umsetzten.

Mit vollem Körpereinsatz führte Dirigent Mihhail Gerts die Musiker und hielt engen Kontakt zu allen Stimmen. Der erste Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors am Theater Hagen hatte die musikalische Leitung für den erkrankten Dirigenten Ruben ­Gazarian übernommen.

Musiker bringen viel Leidenschaft ein

Nach der Pause erklangen zwei Werke von Josef Suk, dem Schwiegersohn von Antonín Dvorák. Der Meditation über den St.-Wenzel-Choral, der während als tschechische Identifikationsmelodie gilt, war deutlich anzumerken, dass Suk diese ursprünglich für sein tschechisches Streichquartett geschrieben hatte.

Mit viel Leidenschaft setzten die etwa 20 Musiker des Kammerorchesters das Spiel der Stimmführung und der Beziehungen untereinander um. Besonders die Stimmführer Irakli Tsadaia (Konzertmeister), Alexander Konjaev (zweite Geige), Vadim Makhovskiy (Bratsche) und Zurab Shamugia, der etwa im fünften Satz der Janácek-Suite ein hervorragendes Cello-Solo spielte, stachen hier immer wieder hervor.

Zum Schluss erklang die durchweg liebevolle Serenade für Streichorchester, op. 6, die mit wunderschönen Melodien durchzogen ist, wie etwa in dem ausgesprochen tänzerischen zweiten Satz. Grandios wechselten die Musiker im dritten Satz zwischen kraftvoll und zart mit durchweg warmem Klang.

Mit langem, kräftigen Applaus bedankte sich das Publikum nach dem letzten Satz für einen wundervollen Abend mit weniger bekannten, aber wunderschönen Werken.

von Mareike Bader

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