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Der Traum vom Fliegen und Menschen „im freien Fall“

Theatergruppe „NachtSicht“ im G-Werk Der Traum vom Fliegen und Menschen „im freien Fall“

Der Traum vom Fliegen: Ihn hat die Theatergruppe „NachtSicht“ zum Inhalt eines Stücks gemacht, das in der letzten Woche viermal im G-Werk 
aufgeführt wurde. „Ich gehöre 
nicht hierher“, betont darin Bernhard, der Neuankömmling, immer wieder.

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Bernhard und Emma wollen weg von „Hier“ und heben ab.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Ja, das wissen wir, wir gehören auch nicht hierher“, wiederholen sie gebets­mühlenartig. Aber sie geben ihm das Gefühl, dazuzugehören. In eine Gruppe von Außenseitern. In eine Welt, die nicht ganz von dieser Welt ist.

Wo und was genau dieses „Hier“ ist, das bleibt undefiniert. Alle sind weiß gekleidet und jede Figur wird über eine mehr oder minder ausgeprägte Störung definiert. Ein Irrenhaus also? Das sei zu Beginn die Idee gewesen, erklärt Regisseurin Karin Winkelsträter.

Aber vielleicht spielt sich das ganze auch im Kopf eines Menschen ab? Vielleicht ist es der Himmel? Nicht umsonst bieten das Weiß von Kleidung und Kulissen Projektionsflächen – und die werden mit Lichteffekten genutzt.

Die Gruppe „NachtSicht“ ist seit 1997 in wechselnden Besetzungen eine Theatergruppe der Blista in Kooperation mit dem ACT‑
easy Jugendtheaterclub. In der aktuellen Produktion, die die Jugendlichen gemeinsam mit Karin Winkelsträter erarbeitet haben, stehen Antonia Netter, Jim Kleuser, Kaddy Dewald, Marcel Frank, Melisa Oturgan, Tristan Reusswig und Yanik Jennissen auf der Bühne – und spielen, singen und musizieren mit offensichtlicher Begeisterung.

„Hier“ also spielt die Geschichte, wo es sicher ist und auch ein bisschen bequem, wo man „allemal gebleucht“ ist, wie Emma es sagt. Emma ist im Kopf „dewusch“ und hat ihre eigene Sprache.

Marie hat Angst und einen komischen Vogel – buchstäblich; ein Stofftier, das für sie spricht, weil sie selbst sich das nicht mehr traut. Niklas sucht Zuflucht in Zahlen und Fakten. Und dann sind da noch Lina, die schnell aus der Haut fährt, und Paul mit seiner zwanghaften Ordnung. Irgendwie haben sie sich arrangiert.

Und dann kommt Bernhard. Bernhard erzählt von einem anderen Ort. Und weckt Sehnsüchte. „In der Schublade, auf der bequeme Kleidung steht, ist immer auch die Zwangsjacke drin.“ Schließlich schwingt er mit selbst gebastelten Flügeln auf, Emma hat den Mut, sich ihm anzuschließen und dann – sind sie geflogen? Gesprungen? Abgestürzt? Die anderen bleiben zurück, aber auch für sie ist alles verändert. Deshalb muss der Traum vom Fliegen sein.

von Nadja Schwarzwäller

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