Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Der Tabubruch ist seine Masche

Kay Ray Der Tabubruch ist seine Masche

Derb, schräg, clever, witzig - all das ist Kay Ray. Am Freitagabend tobte er vor rund 180 Zuschauern durch die ausverkaufte Waggonhalle.

Voriger Artikel
Mitreißende fremde Klänge
Nächster Artikel
Witz, Ironie und A Cappella vom Feinsten

Schrill und respektlos: Der Kabarettist Kay Ray gastierte in Marburg.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Der Mann redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er nimmt kein Blatt vor den Mund, und er schreckt vor nichts zurück. Die meiste Zeit des Abends segelt Kay Ray vielmehr haarscharf an einer Grenze lang - und oft auch darüber hinaus. Der Tabubruch ist seine Masche, und die hat er sehr gut drauf.

Die meiste Zeit war das sogar ziemlich witzig. Los ging es am Freitag in der Waggonhalle mit Lästereien über die Politiker. Angela Merkel nannte er „den Hosenanzug der Nation“ und „die Bundesraute“ und Frank Walter Steinmeier „den neuen Bundespräsidenten-Darsteller“. Donald Trump könne sich ja jetzt endlich einen Friseur leisten und sein Make-up verbessern, weg von der „Apfelsinenfarbe“, so der Kabarettist weiter. Allerdings: Für seinen Geschmack sei Obama ja auch etwas zu dunkel geschminkt. Witzig? Die Zuschauer fanden schon und hielten auch sonst so einiges aus. „Ich hasse Political Correctness“, bekannte der Entertainer freimütig. „Behinderten-Witze muss man machen, sonst grenzt man aus.“ Im übrigen sei er ja gar nicht so frauenfeindlich wie behauptet wird. Und erzählte gleich darauf einen Witz, der von einer Frau im Kofferraum eines Autos handelte. Unmöglich? Vielleicht.

Sex gehört zu den Lieblingsthemen von Kay Ray, und vieles, was er so losließ, ist nicht zitierfähig. Manches aber doch. Als Bisexueller habe er ja die große Auswahl, erzählte er offen, aber dafür dauere es viel länger, bis man den richtigen Partner gefunden habe. Dass Schwule und Lesben jetzt heiraten können, sei ja sehr schön, aber was sollte ein Schwuler mit einer Lesbe? Ein schwuler Selbstmordattentäter wiederum sei ganz ungefährlich, meinte er, denn der könne ja mit den vielen Jungfrauen im Himmel nichts anfangen.

Aber Kay Ray erzählte auch Unverfängliches und wurde manchmal richtig nachdenklich. Er sei in Kur gewesen in einer Klinik mit drei Abteilungen: „Die Moppelchen, die Ausgebrannten und die Stockenten.“

Er sei in der Abteilung der Ausgebrannten gelandet, denn er habe immer nur auf der Überholspur gelebt. Die Anekdoten über die skurrilen Typen in der Kur und das ewige Stricken, Basteln und Entenfüttern waren recht unterhaltsam.

Sehr persönlich klang auch sein Lied mit dem Titel „Zu Hause“. „Seit du auf der Welt bist, will ich nach Hause“, hieß es da. Damit hat der Kabarettist wohl seine kleine Tochter gemeint. Kay Ray ist seit einiger Zeit mit einer Frau verheiratet.

Die Zuschauer in der Waggonhalle waren auch von dem etwas nachdenklicheren Kabarettisten sehr begeistert und dankten ihm mit stürmischem Beifall für die Show.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr