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Der Sprachartist aus dem Ruhrpott

Jochen Malmsheimer im KFZ Der Sprachartist aus dem Ruhrpott

Jochen Malmsheimer, der Träger des Deutschen Kabarettpreises 2009, bestach bei seinem Auftritt am Samstag im KFZ mit seinem Wortwitz, der jeden Sprachästheten erfreute.

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Jochen Malmsheimer gastierte beim Marburger Kabarettherbst im KFZFoto: Benjamin Kaiser

Marburg. Wenn der Mann aus Bochum spricht, dann klingt es wie Poesie. Kaum ein anderer deutscher Kabarettist ist ein derartiger Wortartist wie Jochen Malmsheimer. Davon überzeugten sich am Samstag 320 Zuschauer im KFZ. Als studierter Philologe legt Malmsheimer den Fokus auf Sprache und Kommunikation.

Das kommt besonders zum Tragen, wenn der Kabarettist den Duktus bei alltäglichen Situationen seziert und auf seinen Mehrwert prüft.

Dieser sei nicht immer groß, meint Malmsheimer. „Die Menschen sprechen ja heutzutage durch Raum und Zeit hindurch und wissen meistens nicht, was sie sagen. Das hört man auch heraus“, doziert der Mann aus dem Ruhrpott. Es werde immer mehr geredet und weniger gesagt.

Besonders das „Kneipengespräch“ unterliege ganz besonderen Regeln: „Man kann sich an ihnen beteiligen, muss man aber nicht. Man merkt allerdings auch keinen Unterschied.“ Immer wieder spinnt er in seine mäandernden Wortgeflechte Formulierungen ein, die sprachliche Meisterwerke sind.

Wenn Malmsheimer sein irisches Schwarzbier an der Theke begrüßt, taucht der Bochumer „die Nase in den Cremedeckel“ und füllt die „Mundhöhle bis zum Gaumendach mit jener samtigen, sämigen Süße“, deren Geschmack dem „Echo in der alpinen Bergwelt nicht unähnlich nachhallt“. Mit derartigen Formulierungen bezirzt Malmsheimer sein Publikum 90 Minuten lang.

Malmsheimer ist ein passionierter Koch. Klar wirft er auch einen Blick auf das „immer armseliger werdende Fernsehangebot“. Alle Zuschauer, denen Kochsendungen gegen den Strich geht, kommen auf ihre Kosten. „Das Schöne am Kochen ist doch der Geruch. Aber der kommt nicht durch den Fern­seher“, poltert Malmsheimer.

Auf feinfühlige Formulierungen folgen vernichtende Verbal-Explosionen. TV-Köchen wie Tim Mälzer, Jamie Oliver und Co. liest Malmsheimer die Leviten und gibt sie der Lächerlichkeit preis, wenn er bei der Radioshow „Kochen mit Jochen“ sich selbst als inkompetenten Koch inszeniert, der sich vom Kochen von Kartoffeln begeistern lässt.

„So weit wird es noch kommen. Dass man beim Kochen auch nichts mehr sehen wird“, erzürnt sich der 45-Jährige und selbsternannte Feinschmecker.

von Benjamin Kaiser

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