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„Der Rhythmus geht ins Blut“

Konzert „Der Rhythmus geht ins Blut“

Nach vier Studioalben ist Sebastian Sturm eine feste Größe in der europäischen Reggae-Szene. Am Freitag stellte er mit der Band „Exile Airline“ das gemeinsame fünfte Album namens „The Kingston Session“ vor.

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Sebastian Sturm begeisterte die Reggae-Liebhaber im KFZ mit seiner E-Gitarre und verrauchten Stimme.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Freitag, 20.40 Uhr: Vor dem Marburger KFZ stehen mehrere Dutzend Konzertbesucher. Es ist kalt. Doch einige machen es sich wohlig und warm. Denn der Geruch von Marihuana kommt auf. Es wird gelacht und gescherzt. „Darum geht es beim Reggae. Zusammensein, Spaß haben und Chillen“, sagt der 21-jährige Michael. Rund 30 Minuten später erleben er und 150 weitere Besucher ein Reggae-Konzert der Extraklasse.

Als Sturm und „Exile Airline“ ihre Show beginnen, ist das Publikum bereits auf Betriebstemperatur. Die Vorband „Banda Sonderos“ hatte ihnen eingeheizt. Was Sebastian Sturm und „Exile Airline“ auf der Bühne servieren, ist nämlich Reggae vom Feinsten. Das fünfte Album von Sturm steht seinen Vorgänger in nichts nach: Es ist wieder ruhige, langsame und entspannte Musik, bei der elektronische Gitarren-Sounds dominieren. Die Menge tanzt wie in Trance. Geradezu andächtig und mit geschlossenen Augen wanken die Tanzwilligen von einer Seite zur anderen. Der Geruch von Marihuana hält an.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Sturm. Der zierliche Mann mit den Rasta-Zöpfen führt das Publikum, größtenteils Frauen in den Zwanzigern, mit seiner E-Gitarre und seiner verrauchten aber dennoch melodisch beeindruckenden und vielseitigen Stimme wie an unsichtbaren Fäden. Zweien gefällt das Konzert besonders: Luise und Gregor. Häufig arbeiten sie im KFZ als ehrenamtliche Kräfte. Doch heute nicht. Heute sind sie Besucher, die sich von den entspannenden Vibes mitreißen lassen wollen. Obwohl beide weit älter sind als die meisten Reggae-Fans um sie herum, stehen sie ihnen in Sachen Elan und Tanzwut in nichts nach.

"Da muss man einfach tanzen"

„Für mich ist Sebastian Sturm der deutsche Bob Marley. Es gab bisher hierzulande keinen wie ihn“, meint Gregor vollmundig und grinst breit. Luise nimmt den Mund nicht ganz so voll. Doch auch sie erkennt an: „Die Musik ist einfach toll, weil der Rhythmus ins Blut geht. Da muss man einfach tanzen.“

Das bunte Treiben auf der Bühne findet unter den kritischen Augen von Oggie Lauer, Frontmann der Marburger Reggae-Band „Rising Fire“, statt. Auch er zeigt sich begeistert. „Sie haben sich im gesamten Konzert nur einmal verspielt, aber sonst war das super. Eine hervorragende Show“, meint der Musiker mit strahlendem Lächeln.

Nach einer Stunde verlassen die Sechs die Bühne. Doch, wenn sie glauben, dass sie Marburg ohne eine üppige Zugabe verlassen können, sind sie schief gewickelt. Die Menge giert nach mehr. Gesagt, getan. „Ich habe jetzt Bock nochmal eine geile Bob-Marley-Session abzureißen“, ruft Sturm dem Publikum zu. Die Reaktion ist kaum überraschend: Wildes Geschrei und Rufe wie „Ja, geil!“. So setzt das Sextett noch rund eine halbe Stunde drauf. Nicht fehlen darf natürlich Marleys „I shot the Sheriff“.

von Benjamin Kaiser

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