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Der Reformator und die Hexen

Ausstellung in Brüder-Grimm-Stube Der Reformator und die Hexen

Luthers Hexenpredigt in Stoff gestickt, mit losen Fäden, die wie Flammen lodern, die Namen von getöteten Frauen auf einer Quilt-Arbeit: „Luther und die Hexen“ mal ganz anders.

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Genau hinsehen lohnt bei den Stoff-Arbeiten von Susann Hoffmeister, deren Bearbeitung des Materials Teil des künstlerischen Prozesses ist.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Ich will der erste sein, der Feuer an sie legt.“ So segensreich und bewundernswert sein Wirken in vieler Hinsicht auch gewesen sein mag - in Bezug auf das Thema der ­Hexenverbrennungen war Luther auch nur ein Mann seiner düsteren und unaufgeklärten Zeit und ein „Schreibtischtäter“. Zu diesem Schluss kommt Dr. Christoph Becker vom städtischen Fachdienst Kultur. Er hielt die Laudatio zur Vernissage der Ausstellung „Kreuzfeuer. Bruxa, Strega und Ragana. Luther und die Hexen“.

Die drei Bezeichnungen für Hexen stammen aus dem europäischen Ausland. Ein germanisches Urwort dürfte „hagahatussi“ gewesen sein, das die Worte für „Buschwerk“ und „hausen“ in sich vereint. Eine außerhalb der dörflichen Gemeinschaft lebende „Waldfrau“ ist die Hexe also gewesen, erklärte Christoph Becker.

Erfasst, verurteilt, verbrannt

Was es für eine Frau bedeutet hat, von der Hysterie des 16. und 17. Jahrhunderts erfasst, verurteilt und verbrannt zu werden, diesem Aspekt hat sich eine der drei Künstlerinnen der Ausstellung besonders angenommen.

Kerstin Steiner aus Weimar visualisiert den Schrecken und die Qualen in Zeichnungen, Collagen, Drucken und Bildern. Die beiden anderen Künstlerinnen arbeiten mit Stoff, Annett Andersch aus Straßburg sogar dreidimensional. Ihre Skulptur „ML“ setzt sich konkret und direkt mit Luther auseinander; Seine Hexenpredigt ist eingestickt und lose Fäden wirken, als würden Flammen aus dem Werk lodern. All ihre Materialien sind gefundene Materialien.

Susann Hoffmeister aus ­Neckeroda unterzieht die Stoffe, mit denen sie arbeitet, einer experimentellen Auswahl und Bearbeitung: Sie werden mit Draht umwickelt, für Wochen vergraben oder mit selbst hergestellten Farben eingefärbt. In einer ihrer Arbeiten ist Luther über dem Turm der Wittenberger Schlosskirche präsent, neben dem die Namen von hingerichteten Frauen in den Stoff eingewoben sind.

Luther nicht nur Lichtgestalt

Allen drei Künstlerinnen ist gemein, dass sie dem Wort, dem Buchstaben einen großen Stellenwert einräumen, so Christoph Becker.

Für Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach, die die Ausstellung eröffnete, schließt sich mit ihr ein Rahmen, der von der ersten städtischen Aktivität zum Lutherjahr - einer Ausstellung zum Thema „Luther und der Antisemitismus“ - gesteckt worden war: An ihm lasse sich deutlich machen, „dass Luther keinesfalls nur die Lichtgestalt war, die man in seinem Jubeljahr gern in ihm sehen möchte“.

Die Ausstellung in der Brüder-Grimm-Stube ist noch bis zum 15. Oktober zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 13 und 14 bis17 Uhr.

von Nadja Schwarzwäller

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