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Der Kontrabass im Rampenlicht

Konzert Der Kontrabass im Rampenlicht

Höhepunkt des Programms in der Stadthalle war ein hinreißendes Kontrabass-Konzert eines der bedeutendsten Filmkomponisten aller Zeiten, atemberaubend gespielt von einem Weltklasse-Solisten.

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In Nabil Shehata hat das Marburger SSO einen weltweit gefeierten Solisten am Kontrabass für seine Semesterabschlusskonzerte verpflichtet.

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Der Kontrabass – ein schwerfälliges, stets etwas brummiges Instrument? Irrtum! Er ist ein höchst agiler und aufgeweckter Bursche. Wenn er denn mal im Rampenlicht stehen darf und vor allem wenn ihn jemand wie Nabil Shehata zum Leben erweckt.

Der 31-Jährige musizierte bis vor drei Jahren am ersten Pult der Berliner Philharmoniker und ist derzeit ein weltweit gefragter Konzertsolist sowie Kammermusikpartner. Ihn nach Marburg zu verpflichten, ist eine kleine Sensation – in etwa so, als engagierte man den Pianisten Lang Lang oder den Geiger David Garrett.

Schade deshalb, dass die Stadthalle am Dienstag beim Semesterabschlusskonzert des Studenten-Sinfonieorchesters Marburg (SSO) nur etwa zu zwei Dritteln gefüllt war. Aber das war vielleicht auch dem sommerlichen Grillwetter geschuldet – oder dem Programm, das ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts enthielt.

Wobei die Furcht vor „modernen“ Klängen völlig unberechtigt war. Denn das SSO spielte ausschließlich Musik, die noch fest in der Dur-Moll-Tonalität verwurzelt ist. Zum Warmspielen gab‘s eine Ouvertüre, die der 1915 geborene Neuseeländer Douglas Lilburn 1940 während seines Studiums in London komponiert hat: eine klangfarbenreiche Lobeshymne auf die Naturschönheiten von „Aotearoa“, wie Neuseeland in der Sprache der Maori heißt. In der dynamisch fein abgestuften Wiedergabe des SSO ließen besonders die hohen Streicher mit seidigem Glanz und die mit dankbaren Aufgaben betrauten Holzbläser aufhorchen.

Sie spielten auch eine zentrale Rolle als Dialogpartner des Solisten im Divertimento concertante für Kontrabass und Orchester von Nino Rota. Der vor 100 Jahren geborene Filmmusik-Meister, der unter anderem für Federico Fellini und Francis Ford Coppola komponiert hat, lässt in seiner hinreißenden, von mediterraner Leichtigkeit getragenen Konzertmusik, die zwischen 1968 und 1973 entstanden ist, den funkensprühenden Witz Gioacchino Rossinis wiederaufleben.

Nabil Shehata entlockte seinem Instrument, das ihn um Haupteslänge überragte, einen wunderbar samtig-weichen, singenden, dabei stets raumfüllenden Ton in allen Lagen und raubte den Zuhörern den Atem mit seiner phänomenalen Virtuosität. Und er spornte mit seiner sympathisch kollegialen Art auch das hingebungsvoll begleitende SSO zur Höchstleistung an.

Das widmete sich abschließend einer Examensarbeit: der Sinfonie Nr. 1 f-Moll op. 10 von Dmitri Schostakowitsch. Ein rhythmisch vertracktes Werk, das einen präzise schlagenden Dirigenten wie Ulrich Manfred Metzger braucht. Er sorgte jedoch nicht nur für Genauigkeit im Zusammenspiel, sondern richtete sein Augenmerk auch auf den jugendlichen Übermut, mit dem der 19 Jahre alte Komponist sich 1925 über klassische Formvorgaben hermachte, indem er sie karikierte. Das SSO hatte hörbar Spaß daran – vom kammermusikalischen Beginn über Marsch und Walzer bis zum pathetischen, blech- und schlagwerkgesättigten Finale. Und es überzeugte auch in den zahlreichen Soli – hervorzuheben sind wieder die Holzbläser, aber auch die Konzertmeisterin und der Stimmführer der Violoncelli.

Für den Applaus der begeisterten Zuhörer bedankte sich das SSO mit der Filmmusik zu „Raumschiff Enterprise“. Und wird diese sicher auch bei der Wiederholung des Konzertes am Samstag ab 20 Uhr in der Stadthalle spielen. Am Freitag spielt das Orchester beim Sommerfest des Bundespräsidenten.

von Michael Arndt

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